Das Boot - Gedenkstätte für die auf der Flucht verstorbenen Menschen

 
Biberach-Saulgau
1.10.2016, Biberach: Eröffnung der Gedenkstätte für die auf der Flucht verstorbenen Menschen". Die große Besonderheit der Feier: interreligiös mit allen drei monotheistischen Weltreligionen.

Die Entstehung des Bootes begann mit der Idee der Caritas für einen interreligiösen Ort des Gedenkens an die Menschen, die auf der Flucht verstorben sind, zu dem Angehörige wie auch Betroffene, Ehrenamtliche… kommen können. Es ging vor allem darum einen Platz für Stille und Trauer zu schaffen.

Kurz zuvor hatte Melina Braß den Film „Die Piroge“ gesehen, der die Geschichte von Menschen auf der Flucht erzählt, die mit einem einfachen Holzboot das Meer überqueren wollen und irgendwann mitten auf See ohne Aussicht auf Rettung hängenbleiben. Wie wahrscheinlich Viele war sie sehr verstört von den Bildern und der Tatsache, dass solche Dinge wirklich täglich passieren.

Als sie dann vom Plan der Caritas erfuhr, den Verstorbenen eine Gedenkstätte und einen Rückzugsort für Betroffene zu errichten, kamen ihr wieder diese klapprigen Boote in den Sinn, welche man oft in den Nachrichten sieht und die schon beim ersten Anblick nicht geeignet erscheinen, um ein komplettes Meer zu überqueren.

Sie erstellte den Entwurf, in dessen Zentrum das zerbrochene Boot steht, aus dessen Mitte – auf einem Totenbrett dargestellt – eine Hand wie aus einer Wasseroberfläche herausragt. Mit diesem Entwurf wandte sie sich an Joshua Glaser, der geduldig und dankenswerterweise den Großteil der Umsetzung des Bootes übernahm. Das Totenbrett und die Hand wurden von Melina Braß  erstellt. Sie verbrachten Wochen damit das beinah intakte Boot zu bauen, um es anschließend zu zerstören.

Musa Sonko, ein Flüchtling aus Gambia, hat das Boot mit einem Text ergänzt: „Auf der Suche nach Geborgenheit, nach Freiheit und nach Frieden.“ Der 16-jährigen Mohammad aus Syrien übersetzte uns diesen Satz ins Arabische und gestaltete die Tafel.

Gemeinsam hoffen die Künstler, dass dieses kleine Denkmal Menschen in Trauer vielleicht die Möglichkeit gibt, an einen Ort zu kommen, wo sie Blumen für den Verstorbenen ablegen und Kerzen anzünden können.

Aber auch, dass es die Menschen hier daran erinnert, wie gut es uns eigentlich geht und wie aussichtslos eine Situation sein muss, dass man selbst in so ein Boot steigt um seine Heimat zu verlassen.

Die Künstlergruppe hat einen interreligiösen Hintergrund und hat die Gedenkstätte in großer Harmonie hergestellt.
Am 1. Oktober 2016 fand die Eröffnungsfeier in Biberach statt (s. hierzu Zeitungsartikel und Teil der Begrüßung im Anhang), bei dem ein Melina Braß und Joshua Glaser ihr Werk erklärt haben. Von großer Bedeutung war, dass eine interreligiöse Feier mit Vertreter*inenn von allen drei monotheistischen Weltreligionen stattfand, u.a. war Nikola David, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde München, extra für die Eröffnung angereist und hielt eine Ansprache.
Die Gedenkstätte befindet sich dauerhaft zwischen dem evangelischen Friedhof und russischem Friedhof, auf dem Zwangsarbeiter ihreletzte Ruhestätte fanden, in der Memminger Straße in Biberach.

An anderen Orten stand das Boot bereits vor der offiziellen Eröffnung der Gedenkstätte im Mittelpunkt von Gottesdiensten und Aktionen:
- Kloster Sießen: verschiedene Gottesdienste und viele Menschen haben das Boot auf der Wiese vor der Kirche besucht.
- In Saulgau: Gottesdienst mit dem ev. und dem kath. Pfarrer.
- In St.Antonius: Gedenkfeier mit Texten und Gebeten.
- In Renhardsweiler: Das Boot weilte eine Woche in der Kirche St. Georg und es gab ein Benefizkonzert für den Spielplatz in Sießen.

 
Jahr:
2016
Autorin:
Lucia Braß - für die Ökumenische Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie
Kontakt:

Lucia Braß, Caritasdienste in der Flüchtlingsarbeit, Ökumenische Flüchtlingsarbeit - Caritas Region Biberach-Saulgau
www.asyl-bc.de
brass@caritas-biberach-saulgau.de