Caritas-Kampagne 2017: Zusammen sind wir Heimat

 
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Jedes Jahr entwickelt die Caritas eine Kampagne, die zur Auseinandersetzung mit einem zentralen sozialpolitischen Thema einlädt. So soll die Öffentlichkeit für das jeweilige Thema sensibilisiert werden und unter anderem auch Anregungen erhalten, was jede und jeder dazu beitragen kann, um eine Veränderung zum Positiven zu erreichen. Über die jeweilige Kampagnen-Website und die Caritas-Kanäle in den sozialen Medien werden vielfältige Informationen bereitgestellt und Geschichten »aus dem Leben« erzählt. Die Umsetzung der Kampagne erfolgt vor Ort durch die Diözesan- und Orts-Caritasverbände, die Fachverbände, Einrichtungen, Pfarrgemeinden u.a. So finden sich auf der jeweiligen Kampagnen-Website immer auch Aktionsideen, Gottesdienstbausteine und andere Materialien, um die Kampagnenarbeit vor Ort konkret zu unterstützen.

»Zusammen sind wir Heimat.«
Unter dieser Überschrift steht im Jahr 2017 die Kampagne der Caritas in Deutschland. Mit Heimat verbindet jeder Mensch etwas anderes. Für die einen ist es die Currywurstbude um die Ecke, für die anderen der selbstgebackene Kuchen der Mutter. Für viele zeigt sich Heimat in der Beziehung zur Familie und zu Freunden, andere denken an eine bestimmte Region, einen Ort oder eine Landschaft. Heimat hat viele Facetten: je mehr Teile zusammenkommen, desto bunter und auch umfangreicher wird das Bild.

Mit der Kampagne 2017 tritt der Deutsche Caritasverband für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein, in der Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Nationen gut und respektvoll miteinander leben können. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen nach Deutschland geflohen sind, stellt dies eine große Herausforderung dar. Die Kampagne will zeigen, dass Heimat nicht bewahrt oder geschützt wird, indem man Grenzen zieht. Sondern dass Heimat mehr werden kann, wenn man sie teilt. Es soll deutlich werden, dass das Miteinander dazu beitragen kann, dass die Zugewanderten in Deutschland eine neue Heimat finden können.

»Zeig mir deine Heimat…«
Die Vielfalt der Menschen zeigt sich auch in der Vielfalt der Vorstellungen von Heimat. Um einander besser kennenzulernen und mehr darüber zu erfahren, was meinem Gegenüber wichtig ist, regt der Deutsche Caritasverband in diesem Jahr an, dezentrale HEIMAT-AUSSTELLUNGEN zu organisieren. Sie sollen Gelegenheit bieten, sich über die verschiedenen Vorstellungen und Erfahrungen von Heimat auszutauschen. Denn nur im Miteinander und gegenseitigen Austausch kann ein gelingendes Zusammenleben gestaltet werden. Unter dem Motto »Zeig mir deine Heimat…« will die Caritas ein Zeichen setzen für eine offene Gesellschaft. Alle sind dazu eingeladen in ihrer Region, Stadt oder Gemeinde gemeinsam mit anderen eine HEIMAT-AUSSTELLUNG zu organisieren (www.zusammen-heimat.de/kampagne). Dieses Ausstellungskonzept eignet sich auch gut für die Konzeption und Durchführung der Interkulturellen Woche.

Ankunftsort: Neue Heimat
Etwa 1,1 Millionen Menschen kamen im Jahr 2015 und 2016 nach Deutschland, um hier Schutz zu suchen. Die Bevölkerung hat sich großzügig, hilfs- und aufnahmebereit gezeigt. Nur durch das Engagement der vielen tausend ehrenamtlich und freiwillig Tätigen ist es gelungen, in relativ kurzer Zeit und mit großem Improvisationsgeschick so viele Menschen schnell zu versorgen. Unvergessen die Bilder am Münchner Hauptbahnhof im Herbst 2015, als die Flüchtlinge mit einem Lächeln begrüßt und müde Kinder mit Spielsachen und Süßigkeiten überrascht wurden. Immer wieder waren in der Berichterstattung in den Medien Schilder zu sehen, auf denen zwei Worte zu lesen waren: Refugees welcome – Flüchtlinge willkommen.

Populismus und rechte Parolen
Mittlerweile hat man auch andere Bilder in Nachrichtensendungen und Zeitungen gesehen. Bilder von brennenden Asylunterkünften und Menschengruppen, die vor Asylunterkünften stehen und ihre Ablehnung laut herausschreien. In den sozialen Medien, im Inter-net und auf Kundgebungen drückt sich der Hass auf Flüchtlinge in drastischen Worten aus. Auch Aufrufe zu Gewalt gegen Flüchtlinge oder in der Flüchtlingshilfe Engagierte ist kein Tabu mehr. Die Verkünder einfacher Lösungen finden Zulauf, populistische Äußerungen stoßen zunehmend auf Zustimmung in der Bevölkerung. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas, die sich in der Migrationsberatung und der Flüchtlingshilfe engagieren, sind immer wieder Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Viele Menschen fühlen sich sprachlos und wehrlos angesichts dieser Entwicklungen.

Antworten geben – Heimat teilen
Deshalb wirbt die Caritas im Rahmen ihrer Kampagne 2017 nicht nur bewusst für Menschlichkeit und eine vielfältige Gesellschaft. Sie möchte darüber hinaus sprachfähig bleiben gegenüber dem zunehmenden Rechtspopulismus und der besonders in den sozialen Medien offen geäußerten Ablehnung von Flüchtlingen etwas entgegensetzen. In diesem Zusammenhang organisiert die Demografie-Initiative der Caritas in Kooperation mit dem Verein »Gegen Vergessen – für Demokratie e.V.« Kommunikationstrainings im Umgang mit rechtspopulistischen Äußerungen, bei denen die Teilnehmenden lernen, in schwierigen Gesprächssituationen handlungsfähig zu bleiben.