Prävention durch Bildung und Integration: Das Projekt Salam Aleikum – Friede sei mit Dir. - Prävention gegen Islamismus in Sachsen-Anhalt

 
© ÖVA zur IKW

Ziel des Projektes »Salam Aleikum – Friede sei mit Dir. Prävention gegen Islamismus« ist es, religiöse Radikalisierung bei jungen Menschen zu verhindern. Jugendliche sind besonders anfällig für extreme Haltungen und Radikalisierung und bieten daher Angriffsflächen für extremistische Propaganda. Dieser Umstand kommt verstärkt zum Tragen, wenn biografische Brüche – Flucht, Migration, aber auch soziale Ausgrenzung oder die Scheidung der Eltern – auftreten. Gelingende Integration ist daher ein entscheidender Faktor bei der Vermeidung von religiöser Radikalisierung. Die Fachkräfte im Projekt sehen dabei die zu integrierenden Personen und die integrierenden Personen gleichermaßen als Kräfte, die zum Gelingen oder Misslingen von Integration beitragen können. Die Präventionsarbeit des Projektes richtet sich sowohl an die deutsche Mehrheitsgesellschaft als auch an die muslimische Minderheit in Sachsen-Anhalt.

Das Projekt steht für die Überzeugung, dass Prävention durch Bildung und Integration möglich ist. Junge Menschen und die Einrichtungen, die mit ihnen zu tun haben, sollen dabei unterstützt werden, Vorurteile ab- und Kompetenzen – etwa interkulturelle oder Medienkompetenzen – aufzubauen. Wissensvermittlung über den Islam, über Demokratie und interkulturelles Zusammenleben sowie das Schaffen von Begegnungsmöglichkeiten zwischen der Mehrheitsgesellschaft und der muslimischen Minderheit runden das Angebotsspektrum ab.

Bisherige Erfahrungen
Die Mitarbeiter*innen im Projekt sind seit Juli 2015 in Sachsen-Anhalt aktiv. Sie führen Workshops und Fortbildungen für (sozial-)pädagogische Fachkräfte in Schulen, Einrichtungen für minderjährige unbegleitete Geflüchtete, für Fachkräfte in Behörden – Ausländerbehörde, Jugendamt, Jobcenter und für Engagierte in der Flüchtlingshilfe durch. Themenschwerpunkte sind Vielfalt im Islam, Abgrenzung Islam – Islamismus, die Darstellung des Islams in deutschen Medien und die dadurch geprägte Wahrnehmung des Islams in Deutschland. Neben sehr viel Interesse und Offenheit begegnet uns in den Workshops auch antimuslimischer Rassismus bei Jugendlichen und Erwachsenen.

Die muslimische Minderheit in Sachsen-Anhalt ist durch den Zuzug der Geflüchteten beispielsweise aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak in den letzten zwei bis drei Jahren stark gewachsen – muslimische Gemeinden sprechen von mehr als einer Verdopplung ihrer Mitgliederzahl auf etwa 2.300 (Februar 2016). Mit muslimischen Jugendlichen werden Workshops zur interkulturellen Sensibilisierung oder zum Erwerb von Medienkompetenz in Unterkünften für minderjährige Geflüchtete oder Schulen durchgeführt. Sie sollen selbst erkennen können, was Propaganda ist und wie (soziale) Medien von Extremisten genutzt werden, um Menschen zu manipulieren. Das Projekt unterstützt islamische Gemeinden bei der Vereinsgründung und trägt dazu bei, Hemmschwellen bei der Begegnung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen abzubauen. Begegnungen zwischen Jugendlichen finden in Form von Workshops z.B. zum Thema Medien und Medienkompetenz statt.

Impulse zum Umgang mit Rechtspopulismus
Da in einigen Teilen auch der etablierten Parteien nach wie vor die Meinung vertreten wird, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, haben rechtspopulistische Gruppierungen hier sehr gute Anknüpfungsmöglichkeiten. Ein klares und wiederholtes Bekenntnis zur Zugehörigkeit der Personengruppen, die von Rechtspopulistinnen und -populisten ausgegrenzt werden, zu Deutschland ist ein bedeutender Aspekt beim pro-aktiven Umgang mit Rechtspopulismus. Denn natürlich bekommen die diskriminierten Personengruppen die Ausgrenzung mit. In Demokratien gilt es, Minderheiten zu schützen. Das bedeutet, sich mit der Situation, den Bedarfen und Herausforderungen für diese Minderheiten auseinanderzusetzen und auf dieser Basis zu prüfen, an welchen Stellen es nach geltendem Recht möglich ist, die Minderheit zu unterstützen und ihre Position innerhalb der Gesellschaft zu stärken.

Die Erfahrungen in Fortbildungen zeigen, dass es Rechtspopulistinnen und -populisten gelungen ist, Angst und Unsicherheit gegenüber »dem Islam« und »den Muslimen« zu schüren. Eine Offensive zur antirassistischen Bildung vor allem in den ländlichen Regionen wäre an dieser Stelle dringend geboten. Das Projekt setzt darauf, vor allem auch Multiplikatoren im Bildungs- und Sozialbereich im Umgang mit Diskriminierung zu schulen.

 
Materialheft:
Gliederung 2017
Kategorie: 
Autorin:
Tina Wiesner
Weitere Informationen:

Tina Wiesner ist Mitarbeiterin in dem Projekt »Salam Aleikum – Friede sei mit Dir. Prävention gegen Islamismus in Sachsen-Anhalt«.
Kontakt: t.wiesner@multikulti-dessau.de