DeutschPlus engagiert sich nachhaltig für Vielfalt – und trägt Pluralität schon im Namen

 

Vielfalt verbindet – unter diesem Motto steht die Interkulturelle Woche. DeutschPlus engagiert sich stark für Vielfalt. Warum ist Ihnen Vielfalt so wichtig?

Farhad Dilmaghani: Die Gesellschaft ist vielfältig und dies ist sichtbar: Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte, Menschen unterschiedlicher sexueller Identitäten, kultureller Hintergründe und unterschiedlicher Religionen gestalten gemeinsam Deutschland. Das ist eine großartige Erfolgsgeschichte. Die Haltungen in der Bevölkerung dazu sind sehr unterschiedlich: Auf der einen Seite gibt es viele Menschen, die die Potenziale dieser Vielfalt erkennen und gemeinsam Gesellschaft und Demokratie gestalten. Auf der anderen Seite stehen leider nicht wenige Menschen, die fürchten, dass sie irgendetwas verlieren, wenn alle Menschen gerechte Chancen haben. Wir glauben an genau diese Chancengleichheit und setzen uns aktiv dafür ein.

Die politische Stimmung in Deutschland scheint sich spätestens mit dem Einzug der AfD in den Bundestag noch einmal verändert zu haben: Vielfalt, Diversität und interkulturelles Engagement werden von Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Welchen Einfluss nimmt das auf die Arbeit von DeutschPlus?

Farhad Dilmaghani: Der Aufstieg der völkisch-nationalen Rechten ist fatal. Das beeinflusst unsere Arbeit unmittelbar. Das gesellschaftliche Klima verändert sich und auch die politischen Spielräume. Wir verstehen uns als Anwälte für mehr Vielfalt. Daran wird sich auch nichts ändern, selbst wenn jetzt Menschen im Bundestag sitzen, die Vielfalt strikt ablehnen und teilweise den Nationalsozialismus verharmlosen oder eine Schlussstrichmentalität an den Tag legen. Je lauter die völkisch-nationalen Rechten pöbeln, desto lauter müssen auch wir und unsere Verbündeten unsere Stimme erheben. Wir sind mehr. Wir sind viele.

Wie haben sich die öffentlichen Debatten verändert?

Farhad Dilmaghani: Unerträglich finde ich den offenen Rassismus gerade in den sozialen Medien, aber auch in vielen öffentlichen Äußerungen. Da kommt oft nur noch der blanke Hass durch, manchmal notdürftig bemäntelt. Ein großes Problem sehe ich aber auch in der Zuspitzung der öffentlichen Debatte gerade in Bezug auf den Begriff Leitkultur. Wir lehnen den Begriff »Leitkultur« ab. Viel wichtiger ist uns der Begriff »Leitbild«, der sich von »Leitkultur« klar abgrenzt. Einmal, weil »Leitkultur« so tut, als ob es einen Verhaltensknigge für alle gäbe, um es freundlich auszudrücken. Ein solcher lässt sich aber angesichts der vielfältigen Lebensentwürfe in einer modernen und vielfältigen Gesellschaft nicht mehr mit Allgemeinverbindlichkeit formulieren. Zum Zweiten kann ein Leitbild – das im Gegensatz zur Leitkultur nicht gegenwarts-, sondern zukunftsbezogen ist – von allen relevanten gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren im Konsens gesucht und gefunden werden.

Ihr wichtigstes Thema ist die Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft, wie genau soll diese mit Leben gefüllt werden? Welche konkreten Vorstellungen haben Sie?

Farhad Dilmaghani: In einem gemeinsamen Impulspapier mit über 50 anderen Migrant*innenorganisationen und Neuen Deutschen Organisationen haben wir unsere Vorstellung von der Ausgestaltung der Einwanderungsgesellschaft genau formuliert: Wir wollen die interkulturelle Öffnung in Staat und Gesellschaft auf breiter Front. Dafür fordern wir auch die Einrichtung eines Nationalen Rates für interkulturelle Öffnung und Teilhabe nach dem Vorbild des Deutschen Ethikrates. Und wir fordern ein neues Staatsziel »Teilhabe und Vielfalt« im Grundgesetz als Bekenntnis zur Einwanderungsgesellschaft. Teilhabe muss in Deutschland endlich Chefsache werden.

Was machen Sie als DeutschPlus zur Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft?

Farhad Dilmaghani: DeutschPlus ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die sich für die chancengerechte Teilhabe aller Menschen einsetzt. Dafür machen wir Kampagnen und Events, Diskussionen und Öffentlichkeitsarbeit.

Wir arbeiten auch ganz praktisch mit Jugendlichen in unserem Projekt »Vom Ihr zum Wir«. Wir stärken sie für ihre schulische und berufliche Entwicklung. Wir arbeiten mit ihnen zu ihren Grundrechten, was für uns die Basis allen Zusammenlebens ist. Wir beraten Institutionen, wie sie bestehende Repräsentationsdefizite abbauen und begleiten sie in diesem Prozess der Organisationsentwicklung. Es geht dabei um das Erkennen und Abbauen von Barrieren und um Empowerment derjenigen, die von Rassismus und Diskriminierung betroffen sind. Hier setzt unser Projekt »ACT – Bewusstsein schaffen, Chancen sichern« an. Wir setzen uns für die Wertschätzung und Akzeptanz unterschiedlicher Identitäts- und Lebensentwürfe, Chancengleichheit, Teilhabemöglichkeiten und ein gesellschaftliches Klima ein, das entschlossen jegliche Diskriminierung verurteilt. Dafür bringen wir uns lautstark im öffentlichen Diskurs ein. Hier setzt unter anderem unser Projekt »Vielfalts-Check« an. Wir entwickeln Werkzeuge, um die Vielfaltskompetenz von Organisationen auf verschiedenen Ebenen zu fördern. Wir glauben daran, dass Veränderungen im beruflichen Kontext auch andere Bereiche des Lebens beeinflussen.

Was kann jede/r einzelne tun?

Farhad Dilmaghani: DeutschPlus unterstützen (lacht). Es geht darum, laut zu sagen, wenn etwas rassistisch ist, wenn Menschen diskriminiert werden, wenn Klischees und Vorurteile Chancen vernichten. Immer dann sollte jeder Mensch sich einbringen. Und natürlich sollten sich auch diejenigen, die politische, gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung in Deutschland tragen, fragen, was sie tun können und auf diejenigen hören, die von Diskriminierung und Rassismus berichten. Unser Motto lautet: Wir gestalten heute das Deutschland von morgen und dafür suchen wir immer wieder neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

 
Materialheft:
Gliederung 2018
Autor:
Farhad Dilmaghani
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Hintergrund:

Farhad Dilmaghani arbeitet seit fast 20 Jahren an der Schnittstelle von Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Der studierte Politik- und Sozialwissenschaftler ist Gründer und Vorsitzender von DeutschPlus e.V. – Initiative für eine plurale Republik.

Mehr unter: www.deutsch-plus.de.


© DeutschPlus/Nils Bornemann

Farhad Dilmaghani ist Mitglied im ÖVA.

Das Gespräch führte Lena Högemann, Pressesprecherin von DeutschPlus.

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