Für Vielfalt in den Medien: Die Neuen deutschen Medienmacher

 
© Thomas Lobenwein

Die Neuen deutschen Medienmacher sind ein bundesweiter Zusammenschluss von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Kompetenzen. Als einzige Interessenvertretung dieser Art setzen sie sich seit nunmehr zehn Jahren für mehr Vielfalt in den Medien ein: in der Berichterstattung, vor und hinter der Kamera, an den Mikrofonen und Redaktionstischen. Und auch in den Führungsetagen. Fast 23 Prozent der deutschen Bevölkerung haben eine Einwanderungsgeschichte, in den Medien sind es nur geschätzte 2 Prozent des Personals. Das hat Auswirkungen auf die Berichterstattung. Wenn Vielfalt in den Redaktionen fehlt, fehlt sie auch in den Medienprodukten.

Mit unserer Arbeit setzen wir uns dafür ein, dass in Deutschland

  • eine ausgewogene und vielfältige Berichterstattung selbstverständlich wird,
  • Vielfalt und interkulturelle Kompetenz in Medienhäusern stärker wertgeschätzt und gefördert werden
  • und eine Anerkennungskultur entsteht, die dem positiven Potenzial unserer Einwanderungsgesellschaft entspricht.

Den Wert einer diversen und ausgewogenen Berichterstattung vermitteln die NdM unter anderem in den Blatt- und Sendekritiken, zu denen wir von Medien eingeladen werden. Als weitere Hilfe bieten wir für die alltägliche Redaktionsarbeitunser Glossar »Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland« an, das seit 2011 in vielen Neuauflagen erschienen ist und stetig für den aktuellen Gebrauch überarbeitet wird. Ein weiteres Modul ist der Vielfaltfinder mit hunderten nicht- und neudeutschen Expert*innen, die in einer Datenbank als Expert*innen recherchiert werden können. In eigens konzipierten Seminaren und Weiterbildungen intensivieren die Neuen deutschen Medienmacher das Wissen um Integration und Migration als Themen der journalistischen Arbeit.

Außerdem setzen sich die NdM für vielfältigere Redaktionen ein und leben diesen Wert auch vor: Im Projekt »Handbook Germany« arbeiten exilierte Kolleg*innen unterschiedlichster Herkünfte und schaffen gemeinsam ein mehrsprachiges Online-Portal für geflüchtete Menschen in Deutschland. Mit dem Mentoring-Programm werden zudem Nachwuchsjournalist*innen aus Einwandererfamilien und geflüchtete Journalist*innen gefördert, indem ihnen hochkarätige Mentor*innen an die Seite gestellt werden und sie dabei unterstützen, Wege in den Journalismus zu finden.


Mit dem No Hate Speech Movement sensibilisiert das Netzwerk für Hetze im Internet, die sich nicht zuletzt häufig gegen Journalist*innen (aus Einwandererfamilien) richtet. Mit einem praxisnahen Leitfaden und bundesweiten Redaktionstreffen entwickeln und vermitteln die NdM hier journalistische Strategien für den Umgang mit Online Hass.

Zudem schulen die Medienmacher NGOs, Migrant*innenorganisationen, Flüchtlingsinitiativen und andere integrativ wirkende Organisationen im Rahmen von Medientrainings im selbstbewussten und professionellen Umgang mit der Presse. Damit auch ihre Stimme gehört wird. Fragen wie: »Wie schaffe ich es, in einem Interview meine Themen zu setzen? Wie schreibe ich eine Pressemitteilung, die auch ankommt? Und welches sind eigentlich die richtigen Kanäle für meine Medienarbeit?« beschreiben die alltäglichen Herausforderungen einer guten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Und diese wird mittlerweile auch für NGOs, migrantische Gruppen und Netzwerke sowie andere ehrenamtliche Initiativen immer wichtiger. Denn solche Organisationen wirken tagtäglich im gesamten Bundesgebiet integrativ, indem sie für die gesellschaftliche und politische Teilhabe migrantischer Minderheiten arbeiten, kulturellen Austausch fördern und migrantisches (Self-) Empowerment unterstützen. Allzu oft wird diese Arbeit in der Öffentlichkeit leider nicht wahrgenommen: In den Medien finden entsprechende Organisationen meist nur dann Aufmerksamkeit, wenn es darum geht, aktuelle Probleme zu kommentieren (Bsp.: Eine Willkommensinitiative soll sich zu einem Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft äußern, eine muslimische NGO zu islamistischem Terror oder Präventionsarbeit Stellung nehmen).

Entsprechend verständlich ist der Frust, der sich bei vielen Aktiven anstaut: Warum dringen wir mit unseren Themen nicht durch? Warum wird unsere Arbeit immer nur dann erwähnt, wenn es Schwierigkeiten gibt? Gleichzeitig fehlen in den entsprechenden NGOs, Migrant*innenorganisationen und Flüchtlingsinitiativen, die meist von engagierten Ehrenamtlichen getragen werden, nicht selten Know-How, Selbstbewusstsein und Ressourcen, um professionell, effektiv und effizient mit Medien und Öffentlichkeit umzugehen.

 
Materialheft:
Gliederung 2018
Autorin:
Joanna Stolarek
Weitere Informationen:

Joanna Stolarek ist Politikredakteurin bei der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Die Medientrainings »Wir bleiben im Gespräch« werden von den Neuen deutschen Medienmachern konzipiert und seit Frühjahr 2017 im Rahmen des Projektkonzepts »House of Resources« des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge kostenlos angeboten.

Die Medientrainings haben das Ziel:

  • einen selbstbewussten, professionellen und nachhaltigen Umgang mit Medien und der Öffentlichkeit zu lernen,
  • Vernetzung der entsprechenden NGO oder Organisationen untereinander,
  • einen geschützten Raum zum Austausch von Diskriminierungserfahrungen zu schaffen, die evtl. im Umgang mit der medialen Öffentlichkeit gesammelt wurden,
  • Instrumente zu vermitteln, wie man seine eigenen Themen erfolgreich setzt und migrantische Perspektiven in mediale Diskurse einbringt.

Weitere Informationen gibt es unter www.neuemedienmacher.de

Text zum Bild:
Migrationsforscher Klaus M. Bade, Özlem Gezer (Redakteurin bei >>Der Spiegel<<), Ferda Ataman (NDM-Vorstandsmitglied), Sheila Mysorekar (NDM-Vorsitzende) und Hadija Haruna (Journalistin) diskutieren auf einer Veranstaltung der Neuen Deutschen Medienmacher über Meinungsfreiheit und Rassismus
 

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