Fürbittgebet

 
Jarabalus 2014-01-25 © flickr.com/ASH-SHAM CARE

Gott –
manchmal so unbegreiflich, dann doch zum Greifen nah.
Wir suchen dich im Himmel und übersehen dich auf der Erde.
Wir spannen dich ein für unsere Wünsche und Ziele und
vergessen, dass deine Güte hinausgeht über unseren Horizont.
So machen wir dich klein,
und unsere Vorstellung von dir wird armselig.
Weite unseren Blick. Öffne unser Herz.
Lass uns groß von dir denken.
Weil selbst der Erdkreis dir keine Grenze ist, du Menschenfreund,
rufen wir zu dir: Kyrie Eleison!

Wir denken in diesen Tagen an die Kinder, die von weit her
zu uns kommen: auf dem Arm, auf dem Rücken ihrer Eltern,
übers Meer, auf endlosen Fußwegen.
Wir denken an all die Frauen und Männer, die angstvoll unterwegs sind.
Nicht auszudenken, was sie erlebt und gesehen haben.
Stelle uns einen Menschen, eine Familie vor Augen unter all den vielen.
Begabe uns mit Gespür für das Leid und für ihr Angst,
die sie aus ihren Ländern vertrieben haben.
Wir rufen zu dir: Kyrie Eleison!

Wir bitten für Menschen in Politik und Verwaltung,
die mit Flüchtlingen zu tun haben.
Gib Weitsicht und Umsicht bei ihren Planungen,
Phantasie für menschengerechte Lösungen.
Gib ihnen Mut zu ungewöhnlichen Wegen,
auch wenn die nicht immer durch Paragraphen gedeckt sind.
Bewahre sie vor Müdigkeit, Überforderung und Zynismus bei der großen Aufgabe.

Lass sie Anerkennung erleben für ihren Einsatz, für das, was gelingt an Hilfe und Erleichterung.
Wir rufen zu dir: Kyrie Eleison!

Wir bitten für die Kirchengemeinden in diesem Land
in Städten und Dörfern; für alle, die angerührt sind von ihrer Liebe
zu der Flüchtlingsfamilie aus Bethlehem; für alle, die freiwillig
aktiv sind und Hilfe organisieren; für die, die sich verwickeln lassen
in die Geschichte fremder Menschen:
dass sie bei Kräften und guten Mutes bleiben;
dass sie sich freuen über gelungene Schritte;
dass sie sich nicht übernehmen, sondern auch auf Grenzen achten.
Wir rufen zu dir: Kyrie Eleison!

Gott,
wir danken für alle guten Zeichen Deiner Gegenwart unter uns;
für die ausgestreckten Hände, für tröstende Gemeinschaft;
für die Schönheit erlebter Mitmenschlichkeit;
für jeden warmherzigen Blick;
für die Erfahrung, wenn aus Fremden Freunde werden.
Und was uns sonst noch bewegt an diesem Tag –
wir bringen es in der Stille vor dich …
Wir rufen zu dir: Kyrie Eleison!

 
Materialheft:
Gliederung 2016
Autor:
Walter Bartels