Gekommen um zu bleiben - Spanische Azubis in Hannover

 
Das Foto wurde im von der Caritas organisierten Deutschkurs im vergangen Jahr aufgenommen und zeigt die jungen Leute aus Spanien zusammen mit ihren Lehrkräften © Deutscher Caritasverband e.V.

»Deutsch ist schwer, aber nicht unmöglich zu lernen!« Das ist das Fazit von ­Miguel Ángel Torrubia Moya nach zwei Jahren Deutschland als Teilnehmer im Projekt »Adelante!«. Das Projekt wurde im Jahr 2013 von der IHK Hannover in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Hannover e.V. initiiert. Ziel ist es, für die immer häufiger unbesetzt bleibenden Ausbildungsplätze von Firmen der Region Hannover geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden, aber gleichzeitig auch der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien, die je nach Region bis zu 50 % beträgt, entgegenzuwirken.

Der aus Sevilla stammende Miguel Torrubia kam im Frühjahr 2013 ohne Vorkenntnisse der deutschen Sprache nach Hannover, um zunächst ein Praktikum und im Anschluss eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik zu absolvieren. Er ist einer von zehn Jugendlichen des ersten Durchganges des Projekts »Adelante!«. Mittlerweile ist er 26 Jahre alt und der erste Projektteilnehmer, der seine Ausbildung erfolgreich beendet und seinen Arbeitsvertrag als Fachkraft in einem Elektronikfachbetrieb hat. »Der Praxisanteil bei der Ausbildung in Deutschland ist wesentlich höher! Daher habe ich hier in Deutschland sehr viel Neues gelernt.« Besonders die Anfangszeit in Deutschland war aufgrund der Sprachprobleme schwierig. »In meiner Firma haben alle meine Kollegen immer sehr viel Geduld mit mir gehabt und mich unterstützt«  sagt Miguel Torrubia.

Die Unterstützung der Betriebe ist ein wichtiger Faktor für den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Fühlen sich die Jugendlichen gut aufgehoben und angenommen, besonders auch zu Beginn, wenn die Sprachprobleme noch am größten sind, dann ist der erste Grundstein gelegt. Ein weiterer, noch entscheidenderer Faktor ist jedoch der Besuch der Berufsschule. Hier kommen die jungen Menschen aufgrund der Sprache am schnellsten an ihre Grenzen und hier entscheidet sich maßgeblich, wer die Ausbildung durchhält. Der Caritasverband Hannover wirkt diesem sprachlichen Problem entgegen, indem er einen Deutschkurs während der gesamten Ausbildungszeit anbietet. Bei Bedarf organisiert die Caritas außerdem zusätzliche Nachhilfe, durch Ehrenamtliche. Neben dem Deutschkurs ist die sozialpädagogische Betreuung für den gesamten Zeitraum des Praktikums und der Ausbildung, die durch das Caritasprojekt angeboten wird, wichtig. Die Betreuerinnen und Betreuer sind Bezugspersonen für die jungen Menschen, die in Spanien durch die Caritas akquiriert wurden und die oftmals das erste Mal von zu Hause weg sind. Die spanischsprechenden Betreuungskräfte helfen bei der Lösung von Konflikten im privaten oder beruflichen Bereich und sind gleichzeitig auch Ansprechpartner für Firmen und Berufsschulen. Die Organisation von Freizeitaktivitäten gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie die Unterstützung und Begleitung bei Ämtergängen und Arztbesuchen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist die Unterstützung bei der Abwicklung der Formalitäten des Förderprogramms MobiPro-EU der Bundesregierung, über das das Projekt »Adelante!« gefördert wird. Vor Beginn des Praktikums wird die Unterkunftssuche für die Jugendlichen von der Caritas übernommen. In der Regel erfolgt die Unterbringung in deutschen Familien, so dass die jungen Menschen schnell Anschluss finden, die Sprache sprechen können und den Alltag und die Kultur in Deutschland kennen lernen. Das Engagement und die Willkommenskultur, die in den Fami­li­en gelebt werden, sind eine große Unterstützung. So ist es für die Familien beispielsweise selbstverständlich, »ihren« Jugendlichen vom Flughafen abzuholen und beim Eingewöhnen in die neue Umgebung behilflich zu sein und ihn zu unterstützen.

Zufrieden mit ihrer Unterkunft ist auch Cristina Puertas Aldecoa. Die 23-Jährige ist eine der insgesamt 19 Teilnehmenden. Sie ist beim mittlerweile dritten Durchgang des Projektes im Juli 2015 nach Hannover gekommen. Cristina lebt in einer 3-er WG, die ein Zimmer zur Verfügung stellt. Die gebürtige Madrilenin absolviert ihr Praktikum bei einem großen Triebwerkshersteller der Luftfahrtbranche und ist sich bereits nach drei Wochen Praktikum schon sicher, dass sie ihre Ausbildung zur Fluggerätmechanikerin im Herbst beginnen möchte. Ihre Familie, ihre Freunde und ihre Heimat hinter sich zu lassen und in ein fremdes Land mit einer schwierigen Sprache auszuwandern, war ein großer Schritt für sie. »Deutsch ist sehr schwer, aber die Sprache gefällt mir trotzdem« stellt Cristina fest, die bereits in Spanien 500 Unterrichtseinheiten in einem Deutschkurs absolviert hat, den die Caritas mit Kooperationspartnern vor Ort organisiert. »Der Kurs war hart, aber eine gute Vorbereitung, bei der wir auch viel über die deutsche Kultur gelernt haben« meint Cristina. Nach zwei Wochen Praktikum ist sie sich schon sicher, dass sie dauerhaft in Deutschland leben möchte. Diese positive Grundeinstellung hat wohl auch ihren Betrieb, wo sie das Praktikum macht, überzeugt, der bereits die Erstellung des Ausbildungsvertrages für Herbst in Auftrag gegeben hat. Cristina ist gekommen, um zu bleiben.

 
Materialheft:
Gliederung 2016
Kategorie: 
Autorin:
Iris Ehlert
Weitere Informationen:

Leicht gekürzte Fassung eines Beitrages aus: neue caritas, Migration und Integration-Info 4, Oktober 2015, Deutscher Caritasverband e.V. (Hrsg.)
Iris Ehlert ist Projektkoordinatorin des Projekts »Adelante!« im Caritasverband Hannover e.V.

Kontakt: