Wohnen – Wohnungslos in Deutschland: Zwischen Flüchtlingsunterkunft und sozialem Wohnungsbau

 
Das Motiv "Zuhause" ist als Postkarte zur IKW 2016 erhältlich.

KSD – Unsere Aufgaben

Deutschland ist gegenwärtig Ziel von Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen. Die katholische Kirche und ihre Institutionen nehmen sich der Aufgabe der Integration dieser Flüchtlinge in viel­fältiger Weise an. Ein grundlegender Schlüssel zur erfolgreichen Integration liegt in der Bereitstellung von angemessenem und bezahlbarem Wohnraum, denn ohne Wohnen ist Integration kaum möglich. Wohnraum auch für Flüchtlinge bereitzustellen, ist die Aufgabe des KSD mit den kirchlichen Wohnungsunternehmen und Siedlungswerken.

Der KSD ist der deutsche Bundesverband für Wohnungswesen und Städtebau der katholischen Kirche. Mitglieder des Verbandes sind alle 27 deutschen (Erz-) Bistümer und 46 bauende Immobilienunternehmen. Aktuell widmet sich die Tätigkeit der KSD-Gruppe auch der Unterbringung von Flüchtlingen. Übergeordnetes Ziel ist es jedoch, (Miet-) Wohnungen für alle wirtschaftlich schwächeren Bevölkerungskreise zu errichten. Dabei stehen Menschen mit Zugangsschwierigkeiten zum Wohnungsmarkt, z.B. Familien, Alleinerziehende, Senioren und Flüchtlinge gleichermaßen im Mittelpunkt.

» … oder wohnst Du schon?« – Städtebauliche/wohnungs­wirtschaftliche Aspekte

Aus Sicht der kirchlichen Wohnungsunternehmen sollten Flüchtlinge nicht dauerhaft in Erstunterkünften untergebracht werden, sondern integrativ und dezentral in den Wohnquartieren sowie in guter Nachbarschaft. Bei der Realisierung von Projekten wird den diversen Aufenthaltssituationen der Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Deutschland Berücksichtigung beigemessen. Kirchliche Hilfsprojekte können bereits jetzt jede Phase der gesamten Prozesskette abbilden. Dazu zählen die Erstaufnahme, die Übergangsphase und die dezentrale Unterbringung im Wohnungsbestand/Quartier. Bei der Unterbringung von Flüchtlingen kommt es darauf an, vorrangig sozialräumlich orientierte Konzepte zu verfolgen. Konkret bedeutet das, gemischte Quartiere zu realisieren. Um die Betreuung innerhalb solcher Quartiere zu gewährleisten, sind (kirchliche) Partner mit ihren Diensten sehr gefragt.

Grundsätzlich muss ausreichend bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Die Dringlichkeit dieser Aufgabe verstärkt sich durch die Tatsache, dass sich Bund und Länder aus dem geförderten sozialen Wohnungsbau seit vielen Jahren zurückgezogen haben und zugleich mehr Belegungsbindungen auslaufen als neue geförderte Wohnungen entstehen. Der KSD hält eine Wiederaufnahme des Engagements der Kirche im sozialen Wohnungsbau für erforderlich. Dies ist nicht zuletzt die DNA des Verbandes seit seiner Wiedergründung 1949.

Erfahrungen in Neubau und Bestand

In den letzten Jahren war es nicht leicht für die KSD-Mitglieder, Wohnraum für bedürftige Bevölkerungsschichten zu schaffen. Die von Finanznot geplagten Kommunen verkauften ihre Grundstücke vielfach an denjenigen, der den höchsten Preis bezahlte. Renditeorientierte Investoren errichteten dort vor ­allem teure Luxuswohnungen. So entstanden Monostrukturen ohne soziale Durchmischung. Für die Intensivierung des Engagements im (sozialen) Wohnungsneubau bleiben Grundstücke unverändert notwendig. Ebenso sollte mancherorts die Verwaltungspraxis der Kommunen dahingehend überprüft werden, wie Baugenehmigungsverfahren zu beschleunigen wären.

Die Bereitstellung von Wohnungen aus dem eigenen Bestand der KSD-Un­ternehmen an Flüchtlinge stellt sich u.a. durch fehlende Sprachkenntnisse als problematisch dar. Dies erschwert

die Kommunikation mit Flüchtlingen. Vergabeverfahren von freiwerdenden Wohnungen an Flüchtlinge dauern dadurch länger als »normale« Nachfolgevermietungen. Durch die Einkommens- und Zweckbindungen im Bestand sind auch kirchliche Wohnungen nicht überall sofort verfügbar, weil Belegungsrechte z.T. den Kommunen obliegen.

»Das Bohren dicker Bretter«– Handlungsempfehlungen für ­Politik und Kirche

Der KSD plädiert gegenüber dem Bund für eine Ausweitung des Angebots an preiswertem Wohnraum, denn Maßnahmen im Bestand allein reichen nicht aus. Die kürzlich erfolgte Ausweitung der Bundesmittel für die soziale Wohnraumförderung ist hier ein korrekter Schritt (1,018 Mrd. € p.a. bis Ende 2019). Die Kommunen sind gefragt, ausreichend Bauland nicht nach dem Höchstbieter, sondern nach dem Konzeptverfahren zur Verfügung zu stellen.

Die Kirche bekennt sich bereits zu der Aufgabe, Wohnraum für bedürftige Bevölkerungskreise zu schaffen. So hat die Deutsche Bischofskonferenz im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung 2016 »Leitsätze des kirchlichen Engagements für Flüchtlinge« verabschiedet. Darin geht es auch um

die Wohnraumfrage. Der primäre Auftrag der Siedlungswerke, angemessenen Wohnraum für Menschen in schwierigen finanziellen oder sozialen Situationen zu schaffen, gelte unverändert fort, heißt es dort. In der Praxis resultiert daraus der Auftrag katholischer Wohnungsunternehmen, weiterhin geförderten Wohnraum zu errichten. Auch innerkirchlich ist die Verfügbarkeit von Grundstücken ein zentraler Aspekt. Dafür erachtet der KSD Gespräche z.B. mit Bistumsleitungen für notwendig, denn entsprechende Liegenschaften sind unerlässlich für integrative Quartiersentwicklungen.

Ausblick

Mit ihrem Engagement verdeutlichen die kirchlichen Wohnungsunternehmen, dass Wohnungen keine Handelsware wie Autos oder Schweinehälften sind, sondern ein Gut, mit dem Menschen Heimat verbinden. Die Kirche ermöglicht bundesweit Bedürftigen dieses Stück Heimat. Sie stellt damit innerhalb einer teilweise renditeorientierten Wohnungswirtschaft ein Gegenmodell dar, das für weniger »Ich« und für mehr »Wir« steht.

 
Materialheft:
Gliederung 2016
Kategorie: 
Autor:
Daniel Bigalke
Weitere Informationen:

Daniel Bigalke ist Referent beim KSD ­ Katholischer Siedlungsdienst e.V. Er kann für Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Woche angefragt werden.

Kontakt: daniel.bigalke@ksd-ev.de
www.ksd-ev.de