Lena Gorelik: Sie können aber gut Deutsch!

 
Warum ich nicht mehr dankbar sein will, dass ich hier leben darf, und Toleranz nicht weiterhilft
Lena Gorelik

»Irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr.« Mit diesen Worten beginnt Lena Goreliks Buch »Sie können aber gut Deutsch!«. Gorelik hatte keine Lust mehr, zum hundertsten Mal zu erklären, warum sie akzentfrei Deutsch spricht; keine Lust mehr, zu erklären, ob sie sich richtig deutsch oder vollkommen integriert fühlt.

Viele Deutsche mit sogenanntem Migrationshintergrund finden sich früher oder später in dieser Situation wieder. Bei Lena Gorelik, die als Kind russischer Migranten in Deutschland aufwuchs, war die Schmerzgrenze erreicht, als eine Journalistin sie nach einer Lesung ins Kreuzverhör nahmen: Fühlen Sie sich eher deutsch oder russisch? Können Sie sagen, zu wie viel Prozent diese Mischung deutsch und zu wie viel Prozent sie russisch ist? Wie oft fahren Sie so nach Hause? »Welches Zuhause?«, fragte Lena Gorelik zurück. »Mein Zuhause ist München.« Und sie stand auf und ging. Lena Gorelik möchte nicht dafür dankbar sein müssen, dass sie hier lebt. Auch darum geht es in ihrem Buch.

Ihr Buch ist ein Statement gegen die nicht enden wollende Integrationsdebatte in Deutschland und gegen die Rhetorik eines Thilo Sarrazin; ein Plädoyer für all diejenigen, die wirklich etwas tun, nicht nur etwas tun wollen. Zeit für soziales Engagement sei heutzutage nämlich selten, aber die Zeit, auf Menschen zuzugehen, sie wahrzunehmen, sich für sie zu interessieren, die habe man immer, schreibt Gorelik. Und diese Zeit sollte man sich nehmen, findet sie. Ihr Buch will keine Lektüre über Integration sein, sondern ein Buch über Menschen. Nämlich diejenigen Menschen, die in Deutschland leben, die so perfekt Deutsch sprechen, die Deutschland beeinflussen, bereichern und auch verwirren.

 
Materialheft:
Gliederung 2013
Weitere Informationen:

Lena Gorelik kann für Lesungen im Rahmen der Interkulturellen Woche angefragt werden.

■ Lena Gorelik
Sie können aber gut Deutsch!
Pantheon Verlag, München
ISBN: 978-3-570-55131-8