Zimt - ein interkulturelles Aroma

 
E-Card "Zimt raus?" zur IKW 2013: Hg.: ÖVA zur IKW

In meiner Heimatstadt Berlin sagt man schnell abwertend »Mach nicht so einen Zimt«, also »bitte nicht so viel Geschwätz«. Impliziert ist dabei, dass Zimt etwas sehr Wertvolles war und viele Kulturen schon im Altertum miteinander verbunden hat – auch wenn uns das heute bei dem gern verwendeten Gewürz meistens nicht bewusst ist. Vielleicht ist Zimt sogar das Aroma des Heiligen. Zimt wurde nicht nur im alten Ägypten zum Einbalsamieren und im alten Rom für Räucherwerk verwendet, sondern auch in Israel für das Salböl im Stiftszelt. Es gibt ein altes Rezept in der hebräischen Bibel, dem »Alten Testament« der Christen, dafür:

Weiter erhielt Mose vom HERRN die Anweisung: »Besorge dir kostbare Duftstoffe, sechs Kilo Myrrhe, drei Kilo Zimt, drei Kilo Kalmus, sechs Kilo Kassia, gewogen nach dem Gewicht des Heiligtums, und dazu dreieinhalb Liter Olivenöl. Lass daraus das wohlriechende Salböl bereiten, das für die Weihe von Personen und Gegenständen gebraucht wird. Salbe mit dem Öl das Heilige Zelt, die Lade mit dem Bundesgesetz, den Tisch für die geweihten Brote mit allen Geräten und den Leuchter mit allem Zubehör, weiter den Räucher und den Brandopferaltar mit allen zugehörigen Geräten und das Wasserbecken samt Untersatz. Dadurch wird dies alles mir geweiht und in besonderem Maße heilig. Wer als Unbefugter eines dieser geweihten Dinge berührt, muss sterben.

Auch Aaron und seine Söhne sollst du mit dem Öl salben, wenn du sie in den Priesterdienst einsetzt. Den Israeliten aber musst du sagen: ›Das Öl, das nach dieser Anweisung bereitet wird, ist dem HERRN allein vorbehalten. Dies gilt für alle Zukunft. Es darf nicht auf die Haut gewöhnlicher Menschen kommen und ihr dürft es überhaupt nicht für den Gebrauch außerhalb des Heiligtums herstellen. Es ist heilig und ihr sollt es gebührend achten.

« Exodus/2.Mose 30,22-32

Das »Heilige« duftete also an erster Stelle nach Zimt! Bemerkenswert dabei  ist, dass ein genaues Rezept weitergegeben wird, also nicht geheim gehalten wird, aber die Nutzung auf bestimmte Gegenstände und Personen eingeschränkt wird. Das Rezept durfte nur im Bezug zum Gottesdienst benutzt werden. In diesem Rezept, das zur Hälfte aus Zimt besteht, werden bereits die beiden Sorten Zimt unterschieden, die auch heute noch verwendet werden: Zimt aus Sri Lanka (Cinnamonun zeylanicum) und Kassia/chinesischer Zimt (Cinnamonum cassia). Beide Sorten wurden und werden nicht in Israel an gebaut, sondern wurden bereits im

Altertum über weite Handelswege genauso wie andere Arzneien und Gewürze importiert. Zusammen mit Weihrauch wurde Kassia auch als Rauchopfer bei den Gottesdiensten verbrannt. Zimt war ein Luxusgut, das auch von den Herrschern benutzt wurde:

Du liebst das Recht und verabscheust das Unrecht;
darum hat Gott dich zum Herrscher gesalbt,
dein Gott hat dir mehr Ehre und Freude gegeben als allen, die mit dir feiern.
Nach Myrrhe, Zimt und Aloë duften alle deine Gewänder.
Um dich zu erfreuen, erklingt Musik aus deinen mit Elfenbein verzierten Palästen.
Psalm 45, 8-9.

Auch in der Liebeslyrik ist die Verwendung von Zimt belegt:
Meine Braut ist ein Garten voll erlesener Pflanzen!
An Granatapfelbäumen reifen köstliche Früchte.
Herrlich duften die Rosen und die Blüten der Henna.
Narde, Safran und Kalmus, alle Weihrauchgewächse, Zimt und Aloë, Myrrhe, alle Arten von Balsam sind im Garten zu finden.
Eine Quelle entspringt dort mit kristallklarem Wasser, das vom Libanon herkommt.
Aber noch sind mir Garten und Quelle verschlossen!
Hoheslied 4,12-15
 

Zimt war so beliebt, dass er sogar als Name diente: Eine Tochter Hiobs hieß Kezia – »Zimtblüte« (Hiob 42, 14).

Heute erinnert der Geruch vom Zimt nicht mehr an das »Heilige« des Stiftzeltes, sondern an Weihnachtsgebäck, Glühwein und Rotkohl. Aber vielleicht ist es doch kein Zufall, dass wir das christliche Fest, das am bekanntesten ist, mit dem alten Geruch des Heiligen verbinden?

Zimt wurde aus China und Sri Lanka in viele Kulturen exportiert und wird auch heute noch gern verwendet.
Woran erinnert Sie der Geruch und Geschmack von Zimt?
Was ist Ihr Lieblingsrezept mit Zimt?
Bei welcher Gelegenheit wird es besonders gern verwendet?
Zimt werden verschiedene Wirkungen zugeschrieben. Welche gute Wirkung hat Zimt in Ihrer Kultur?

 
Materialheft:
Gliederung 2013
Autorin:
Dr. Gyburg Beschnidt
Weitere Informationen:

■ Pastorin Dr. Gyburg Beschnidt ist Geschäftsführerin der Diakonischen Arbeitsgemeinschaft evangelischer Kirchen und Mitglied im ÖVA.

■ Kontakt: Dr. Gyburg Beschnidt; Beschnidt@diakonie.de