Zur Situation der Zugewanderten aus den Neu-EU-Staaten Bulgarien und Rumänien nach Duisburg

 
Bad Kreuznach: Eröffnungsfeier: Interaktive Performance "Willkommen Fremder - Vision Europa" (F: Annamalt))

Bürgerinnen und Bürger aus Bulgarien und Rumänien genießen in Deutschland Freizügigkeitsrechte. Dies bedeutet, dass sie sich frei in denEU-Staaten bewegen und ansiedeln können. Die Zuwanderung bulgarischer und rumänischer Familien nach Duisburg nimmt, ähnlich wie in anderen Großstädten, seit dem EU-Beitritt beider Staaten kontinuierlich zu.

Unmittelbar vor dem Beitritt am 29. Dezember 2006 lebten 263 bulgarische und 193 rumänische Staatsangehörige in Duisburg.
Am 1. Januar 2013 waren 4.108 bulgarische und 2.068 rumänische Staatsangehörige in Duisburg gemeldet. Ein Viertel der bulgarischen Staatsangehörigen sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren, bei den rumänischen Staatsangehörigen stellen diese mehr als ein Drittel. Schwerpunkt des Zuzugs bulgarischer Staatsangehöriger ist der Duisburger Stadtteil Hochfeld mit derzeit 2.141 Personen.

Die Menschen leben überwiegend in prekären Verhältnissen. Die Aufnahme einer sogenannten abhängigen Arbeit ist ihnen gemäß den Beschränkungen des Arbeitsmarktes bis zum 01. Januar 2014 faktisch nicht gestattet. Daher machen sich viele Betroffene selbständig. Männer melden größtenteils handwerkliche Gewerbe an, arbeiten jedoch für nur einen Arbeitgeber und sind dadurch de facto scheinselbständig. Andere arbeiten als Tagelöhner oder Straßenmusiker. Frauen arbeiten als Putz-, Küchen- oder Pflegehilfen, auch sie sind selbständig. In den Rotlichtmilieus Duisburgs und Oberhausens sind seit Ende 2009 fast ausschließlich Frauen aus den neuen EU-Staaten tätig.

Die Wohnverhältnisse sind oftmals problematisch. Zu überhöhten Mietpreisen werden ihnen engste Wohnungen mit fehlenden Heizmöglichkeiten und veralteten sanitären Einrichtungen, häufig mit Schimmel- und Schädlingsbefall durch private Eigentümer vermietet.

Ein weiterer problematischer Bereich liegt in der  medizinischen Versorgung. Wenige verfügen über eine Krankenversicherung aus dem Heimatland. Diese greift ausschließlich im Fall akuter Erkrankungen. Die meisten haben keinen Krankenversicherungsschutz, insbesondere Kinder sind betroffen. Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen entfallen ebenso wie die Versorgung chronisch Kranker.

Auch die Grundversorgung mit Lebensmitteln und Kleidung ist nicht in allen Familien gewährleistet. Sie sind auf Spenden angewiesen.Im Bereich der schulischen und sprachlichen Bildung wurden und werden zahlreiche Bemühungen unternommen. Die Situation hat sich gebessert, trotzdem fehlen weiter Schulplätze für Seiteneinsteiger. Für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche und Erwachsene bleibt der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen schwierig.

Neu-EU-Bürgerinnen und -Bürger begegnen vielfältigen rassistischen Zuschreibungen, sei es auf der Straße oder in den Medien, die ihr Leben weiter  beeinträchtigen.

Trotz der massiven Probleme sagen die Betroffenen, dass sie gekommen seien, um sich ein besseres Leben aufzubauen und ihren Kindern eine Perspektive geben zu können.

Die Internationale Initiative Hochfeld e.V. ist ein sozialräumlich orientiertes Stadtteilprojekt in Trägerschaft der Gral-Akademie e.V. und des Diakonischen Werkes Duisburg. Die Initiative arbeitet seit nunmehr 40 Jahren im Stadtteil. Neben Frauenintegrationskursen, Sprachfördergruppen für Grundschülerinnen und -schüler und einer aus Landesmitteln geförderten Integrationsagentur halten wir verschiedene Angebote für Familien, Frauen und Kinder bereit, in denen wir Duisburgerinnen und Duisburgern aus den neuen EU-Staaten begegnen. Im Weiteren koordinieren wir den Arbeitskreis Neu-EU-Bürger, in dem ca. 30  Institutionen, Organisationen und Vereine zusammenarbeiten, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern.

Gemeinsam haben wir eine Bedarfsanalyse erstellt, in der die Situation von Neu-EU-Bürgern beschrieben, die vorhandenen Angebote dargestellt und die
grundlegenden Bedarfe zusammengestellt wurden. Hier ein Auszug der dringlichsten Bedarfe:
■ Versorgung mit Nahrungsmitteln und Kleidung
■ Medizinische Basisversorgung und Zugang zu Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen
■ Zugang zu den Angeboten der Wohnungslosenhilfe und zu Frauenhäusern
■ Niedrigschwellige, muttersprachliche Beratungsangebote zu Mietfragen, dem Arbeitsrecht und zur Existenzgründung
■ Sicherung von Sprachförderangeboten für Kinder
■ Sicherung eines ausreichenden Angebotes mit Schulplätzen
■ Zugang zu Sprach- und Integrationskursen für Jugendliche und Erwachsene
■ Einrichtung von Dolmetscherdiensten oder Sprachmittlerpools in Ämtern und Behörden

Die Integration der neu Zugewanderten wird auch in Zukunft eine große Herausforderung darstellen.

 
Materialheft:
Gliederung 2013
Autor:
Uli Kloeters
Weitere Informationen:

■ Kontakt: Internationale Initiative Hochfeld e.V.; iihochfeld@arcor.de