Ergebnisse der Langzeitstudie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland

 
Postkarte "Vanille raus?" zur IKW 2013: Hg.: ÖVA zur IKW

Die Langzeitstudie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland untersucht seit 2002 mit 10jähriger Laufzeit die Ausmaße, Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen in der Mehrheitsbevölkerung gegenüber unterschiedlichen Adressatengruppen. Es geht um die Abwertung von Menschen aufgrund von ethnischen, kulturellen oder religiösen Merkmalen, der sexuellen Orientierung, des Geschlechts, einer körperlichen Einschränkung oder aus sozialen Gründen.

Es wird davon ausgegangen, dass Vorurteile gegenüber unterschiedlichen Gruppen ein Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit bilden, in dessen Zentrum eine Ideologie der Ungleichwertigkeit steht. Dies konnte empirisch nachgewiesen werden. Das Projekt ist das weltweit größte Vorurteilsprojekt, sowohl durch die 10-Jährige Laufzeit als auch aufgrund der differenzierten Berücksichtigung verschiedener Vorurteile und ihrer Ursachen. Seit 2002 findet jährlich eine telefonische Befragung einer repräsentativen Auswahl der deutschen Bevölkerung statt. Im Mai/Juni 2011 wurden 2000 Personen befragt.

Zentrale Ergebnisse für 2011:
Wieder ansteigend: Rassismus und die Abwertung von Obdachlosen sind nach einer bis dato leicht rückläufigen Entwicklung in der deutschen Bevölkerung von 2010 auf 2011 signifikant angestiegen. Bei der Abwertung von Langzeitarbeitslosen setzt sich der ansteigende Trend seit 2009 in diesem Jahr signifikant fort. Ein ebenfalls ansteigender Trend lässt sich aktuell bei der Fremdenfeindlichkeit und bei der Abwertung von Behinderten beobachten, wobei hier das Niveau immer noch niedriger ist als in der jeweiligen Ersterhebung des Vorurteils in 2002 bzw. 2005. Die Ansicht: „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken“ ist in diesem Jahr um fünf Prozentpunkte auf 29,3 gestiegen. Mehr als die Hälfte (52,7 Prozent) der Befragten meint in 2011 „Die meisten Langzeitarbeitslosen sind nicht wirklich daran interessiert, einen Job zu finden.“ 35,4 Prozent stimmen in 2011 der Aussage zu: „Bettelnde Obdachlose sollten aus den Fußgängerzonen entfernt werden“ und befürworten damit die Ungleichbehandlung und den Ausschluss obdachloser Menschen aus dem öffentlichen Raum.

Relativ gleichbleibend: Die Betonung von Etabliertenvorrechten hat in diesem Jahr nach einem sprunghaften Anstieg von 2009 auf 2010 wieder signifikant abgenommen und befindet sich aktuell auf einem niedrigeren Niveau als zum ersten Erhebungszeitpunkt. Auch die Islamfeindlichkeit ist nach einem signifikanten Anstieg von 2009 auf 2010 wieder deutlich zurückgegangen. In 2011 fühlen sich 30,2 Prozent „…durch die vielen Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land“. In 2010 waren dies noch 38,9 Prozent. Die Ansicht „Wer irgendwo neu ist, sollte sich erst mal mit weniger zufrieden geben“ teilen aktuell 54 Prozent der Befragten, während 2010 noch 64,7 Prozent diese Auffassung vertraten.

Relativ abnehmend: In den letzten drei Erhebungsjahren haben sich Antisemitismus, Homophobie und Sexismus leicht abnehmend gezeigt. Ein Viertel der Befragten findet es in 2011 „…ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen.“ Während dies in 2005 noch zehn Prozentpunkte mehr waren. „Juden haben in Deutschland zuviel Einfluss“ meinen derzeit 13 Prozent in der deutschen Bevölkerung, in 2002 stimmten der Aussage 21,6 Prozent zu.

 
Materialheft:
Gliederung 2013
Autor/innen:
Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer et. al.
Weitere Informationen:

Wir dokumentieren Auszüge aus der Presseinformation des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld vom 12. Dezember 2011

Die Langzeitstudie Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Deutschland wurde von Prof. Wilhelm Heitmeyer geleitet  und ist seit 2002 jährlich im Suhrkamp Verlag unter dem Titel „Deutsche Zustände“. Dazu gehört auch Folge 10, 2012.