Leitfaden für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch - Handreichung für Journalist_innen

 

Rassismus – eine gesellschaftliche Realität, die keinen Menschen unberührt lässt, da man durch sie entweder zu den Privilegierten oder zu »den Anderen« in dieser Gesellschaft gemacht wird. Und dennoch wird dieses Phänomen gerne nur dem rechten Rand zugeordnet. Das heißt, dass nicht jene, die sich rassistisch äußern oder Menschen aufgrund äußerer Merkmale bestimmte Charaktermerkmale oder (Un-)Fähigkeiten zusprechen, als Rassist_innen gelten, sondern nur jene, die sich selbst als solche bekennen. Dies führt dazu, dass die meisten Menschen zwar gerne auf die Straße gehen, um gegen rechtsextreme Grup­pie­rungen ein wichtiges Zeichen zu setzen, aber selten bereit sind, ihren eigenen inhärenten Rassismus zu hinterfragen oder sich dessen Existenz gar nicht bewusst sind. Um gesellschaftliche Strukturen und Hierarchien aufzubrechen, ist es jedoch wichtig, dass auch die Mitte der Gesellschaft immer wieder ihre eigenen bestehenden Meinungen und (Vor-) Urteile hinterfragt.

In der Sprache tauchen die rassistischen Denkmuster dann mal mehr mal weniger subtil wieder auf und auch wenn der Sprecher oder die Sprecherin nicht die Absicht hatte, sich rassistisch zu äußern, kann die Aussage verletzend auf die betroffene Personengruppe wirken. So drückt die Frage »Wo kommen Sie her?«, wenn man diese z.B. einem Schwarzen Deutschen stellt, aus, dass die fragende Person ihr Gegenüber als nicht zur deutschen Gesellschaft zugehörig imaginiert. Oft wird auch eine Antwort wie »Ich komme aus Frankfurt« nicht als zulässige Antwort akzeptiert, da die fragende Person gerne genau wissen möchte, woher das für sie fremde Äußere herrührt. Diese Einteilung in Gruppen ist so verbreitet, dass der FDP-Landesvorsitzende Jörg-Uwe Hahn öffentlich die Frage stellen kann, »ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.« Dabei ist die Rede von Philipp Rösler, der seit seinem 9. Lebensmonat in Deutschland lebt.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass wir in einer rassistisch gefärbten Gesellschaft leben und so durch unsere Sozialisation rassistische Denkmuster vermittelt bekommen haben. Dies ist die Basis für einen rassismuskritischen Sprachgebrauch. Es ist unmöglich, sich immer so auszudrücken, dass niemand sich verletzt, bevormundet oder ausgegrenzt fühlt. Jedoch ist es wichtig, zu erkennen, dass die eigene weiße Perspektive auf die Welt nicht die allgemeingültige ist, dass es Menschen in dieser Gesellschaft gibt, die sich tagtäglich ausgegrenzt fühlen, da man sie als »die Anderen«, Fremden, Nicht-Deutschen konstruiert, die sich anpassen sollen und trotzdem nie richtig dazugehörig sein werden. Dass die Konsument_innen von Medien nicht alle weiß und christlich sind. Man sollte sich daher immer die Frage stellen, wie die Personengruppe, über die man schreibt, den Artikel wahrnehmen wird und ob man diese Personengruppe genügend selbst zu Wort kommen lässt. Benutzt man die Eigenbezeichnungen der Gruppierung oder Fremdbezeichnungen? Hält man eine_n weiße_n Expert_in für kompetenter sich zu einer Thematik zu äußern, die eine nicht-weiße Personengruppe betrifft, und warum? Trägt man vielleicht selbst zur »VerAnderung« einer Personengruppe bei – also dazu, dass diese als von Grund auf »anders« wahrgenommen wird? All dies sind Fragen, die man sich immer wieder stellen sollte, wenn man eine differenzierte Berichterstattung anstrebt. Das hat nichts mit übertriebener »political correctness« zu tun, sondern mit Respekt.

 
Materialheft:
Gliederung 2014
Weitere Informationen:

Hrsg.: AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln/Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.

Bezug: Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.
Tel.: 0221 / 96 47 63 00
www.oegg.de | info@oegg.de

Für Veranstaltungen zu dieser Thematik können Referent_innen beim AntiDiskriminierungsBüro angefragt werden.