Ramez darf mitspielen

 
© Migrationsberatung des DW Herzogtum Lauenburg

In Gudow hat die Diakonie ein Netzwerk geknüpft, das Flüchtlinge willkommen heißt.

Gleich am ersten Tag macht sich Ramez auf den Weg, um zu erkunden, in welchem Ort er und seine Familie nun heimisch werden sollen. Der 19-Jährige geht die Dorfstraße entlang, die »Hauptstraße« heißt und an der sich liebevoll restaurierte Bauernhäuser und schmucklose Backsteinbauten aneinanderreihen.

Wir sind in Schleswig-Holstein, Kreis Herzogtum Lauenburg. Eine schöne Gegend: leicht hügelig, viele Seen. Einige Kilometer nordwärts gibt es auch eine richtige Stadt: Lübeck. Ramez erreicht den Sportplatz. »Ich habe im Verein gefragt, ob ich mitmachen kann. Aber sie meinten, sie hätten gerade genügend Spieler.« Doch der Flüchtling aus Afghanistan lässt nicht locker, bittet um ein Probetraining. Ein paar Wochen später sitzt ein Fußballtrainer bei Ramez’ Eltern auf dem Sofa. Man bespricht, wie Ramez Mitglied im Fußballverein werden kann. Seit Ramez’ Eltern mit ihren vier Kindern im Sommer 2010 die Stadt Herat im Westen Afghanistans verließen und zunächst in einer Sammelunterkunft im Örtchen Gudow im Herzogtum Lauenburg unterkamen, kümmert man sich um sie. »Wenn wir einen Brief nicht verstehen, überhaupt wenn es Probleme gibt, dann fragen wir bei der Diakonie nach«, sagt seine Schwester Parisa. Der 20-Jährigen hat die Diakonie geholfen, einen Platz am Studienkolleg zu bekommen, hat ihr die dafür nötigen Sprachkurse vermittelt. Heute studiert sie in Hamburg Bauingenieurwesen.

Jeder ist willkommen

Damals etablierte sich in Gudow Schritt für Schritt ein Netzwerk unter dem Motto »Willkommen – wer immer du bist!«, initiiert und getragen vom Migrationsdienst der Diakonie. Der jetzige Bürgermeister von Gudow ist dabei und der ehemalige. Die örtlichen Hebammen machen mit, das Deutsche Rote Kreuz, der Flüchtlingsbetreuer des Kreises, der lokale Sportverein, die Kindertagesstätte und die Schulen vor Ort natürlich auch und die Pastorin sowieso. Jeder neuen Flüchtlingsfamilie wird zur Begrüßung ein Willkommenspäckchen überreicht: mit Adressen von Ärzten, Beratungs- und Anlaufstellen sowie Spielzeug für die Kinder. Das Netzwerk vermittelt Deutschkurse und Plätze in Kitas und Schulen. Gewürdigt wurde die Initiative 2013 mit dem von Caritas und Diakonie verliehenen »Innovatio«-Preis. Und so endet heute ein ganz normaler Tag für Ramez und seine Familie: Mutter Torpikai hat ihre jüngste Tochter vorhin vom Kindergarten abgeholt, lässt sich von einer Diakoniemitarbeiterin von dem Schwimmangebot für muslimische Frauen erzählen, während das Abendessen auf dem Herd steht. Die Kinder entspannen vor dem Fernseher, Parisa lernt noch etwas. Vater Said Qaher kommt zurück von seinem Deutschkurs aus Lübeck. Er sagt: »Wir hatten eine große Wohnung, wir hatten Grundstücke, ich war in Afghanistan ein wichtiger Mann. Aber wenn meine Kinder nicht sicher sind, dann ist das nichts.« In Gudow fühlen sie sich sicher und gut aufgenommen.

 
Materialheft:
Gliederung 2015
Autor:
Frank Keil
Weitere Informationen:

Aus MIGrations-MAGazin 03/2014

Kontakt:

Migrationssozialberatung des Diakonischen Werkes Herzogtum Lauenburg
migrationsberatung.diakonie@t-online.de