Weitere Zielgruppen erreichen – Zukunftscafé erschließt Handlungsperspektiven

 
© Stephan G. Geffers

Der kleine, runde Raum Bruno im ersten Stockwerk des Maternushauses hatte eine gemütliche Atmosphäre mit vier locker angeordneten Tischen. Auf den weißen Papiertischdecken lagen runde Moderationskarten, Klammern, Moderationsstifte und Süßigkeiten. Der Ablaufplan auf der Flipchart hob drei farblich gekennzeichnete Schwerpunkte hervor: rot – gute Erfahrungen, gelb – Zukunftsvisionen, blau – Handlungspotenziale. Zugleich lud der Moderator Stephan G. Geffers zu einer kontinuierlichen dreistündigen Kaffeepause ein.

Im ZukunftsCafé – einer Form des Zusammenarbeitens, die methodisch zwischen World Café und Zukunftswerkstatt liegt – stehen Dialog und Respekt auf Augenhöhe, Offenheit für neue Perspektiven und abwechslungsreiche Gespräche im Mittelpunkt. Das Geheimnis liegt im uneingeschränkten Vertrauen der Moderation, dass die Teilnehmenden Expertinnen und Experten sind, die ihre Ideen und Lösungen einbringen. Die Moderation formuliert anregende Fragen und serviert Kaffee, präsentiert nicht die Antworten zum Thema »Die Interkulturelle Woche in fünf Jahren: Wie erreichen wir weitere Zielgruppen?«.

In der ersten Runde der Tischgespräche ging es darum, gute Erfahrungen »wachzuküssen«: Notizen auf den Tischdecken dokumentierten, worüber gesprochen wurde: Kunstaktionen einbeziehen, mit Empathie Wünsche heraushören, Transparenz und Charme ins Spiel bringen, Talente entdecken, eventuellen »Widerständlern« eine aktive Rolle geben. Die Teilnehmenden erzählten sich, was sie persönlich dazu beitragen konnten und öffneten so die gedankliche Blickrichtung weg von Problemen, hin zum positiven Erfahrungsschatz.

Zur zweiten Runde verteilten sich die Teilnehmende völlig neu. Mit neuen Menschen Kontakt aufnehmen, sich von den hinterlassenen Notizen inspirieren lassen, ein neues Getränk genießen – und die Aufgabe, Visionen zu tauschen. »Wer kommt im Jahr 2020 zur Interkulturellen Woche? Wie werden Neugier und Wunsch nach Teilnahme und Mitwirkung geweckt?« Gesprochen wurde über lokale und regionale Wirtschaftsvertreter, über Kinder, Jugendliche und Senioren aus vielen Ländern – und Flüchtlinge, die dabei sein können. Bei der Anmeldung frage niemand nach Zugehörigkeit zu Religionen und Kulturkreisen; man begegne sich im Bewusstsein einer einzigen Gesellschaft. Der Internationale Kochkunstverein spiele eine wichtige Rolle bei der Begegnung in Vielfalt. Eine IKW im Charakter eines Festes, ohne über Probleme sprechen zu müssen – oder die IKW in vielen Ländern gleichzeitig stattfinden zu lassen, das gehört zum Ideenschatz – genauso wie der Bau einer »generationenübergreifenden Brücke«.

Die Gedanken hatten sich freigeschwommen, so dass es nun in der dritten Runde – wieder in neuer Zusammensetzung – handlungsorientiert werden konnte. Gefragt wurde, was jeder der Anwesenden im eigenen Umfeld tun will in den kommenden Monaten bis zur IKW 2015? »Wen und wie will ich gewinnen als neue Zielgruppe?« Eine »72-Stunden-Aktion« in Sozialräumen wurde konzipiert, bei der verschiedene Träger vor Ort kooperieren wollen mit Bürgervereinen, Pfadfindern und Frauengruppen. Und ein Wettbewerb unter Jugendlichen in »Deutsch-als-Zweitsprache«-Kursen soll ausgelobt werden für eine treffsichere Werbung zur IKW 2015. Formblätter zur Anmeldung sollen radikal vereinfacht werden und einen niedrigschwelligen Zugang sichern. Einige Teilnehmer wollen in der Nachbarschaft konkrete Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge anfragen und diejenigen auf der IKW ehren, die beispielsweise Wohnraum freigeben. Andere wollen einen Superintendenten gewinnen, Motivationspost zu versenden. Der Tag der Offenen Moscheen soll Anlass sein, sich gemeinsam mit der IKW öffentlich gegen Rassismus zu äußern.

Der vollständige Schatz an Stichworten der Ideen und Verabredungen zum Handeln wurde protokolliert und kann ausgewertet werden. Ich wünsche allen, die so aktiv und gut aufgestellt mitwirkten, im ZukunftsCafé gutes Gelingen für die Umsetzung in die Praxis.

 
Materialheft:
Gliederung 2015
Autor:
Stephan G. Geffers
Weitere Informationen:

Stephan G. Geffers ist Moderator für Partizipation und Teamentwicklung, Ausbilder für Zukunftswerkstätten, Organisationsentwickler im interkulturellen Umfeld im In- und Ausland.

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Kontakt:

Team Zukunftswerkstatt Köln
koeln@zwteam.de