Grußwort zur 40. Interkulturellen Woche 2015

 
© Bundesregierung/ Denzel

In diesem Jahr feiert die Interkulturelle Woche ihr vierzigjähriges Bestehen. Dies ist ein willkommener Anlass, innezuhalten und das bisher Erreichte zu bilanzieren.

Alles begann Mitte der 1970er Jahre, als zunächst ein »Tag des ausländischen Mitbürgers« ins Leben gerufen wurde. Daraus entwickelte sich die »Interkulturelle Woche«, die heute auf vier Jahrzehnte erfolgreiche Arbeit zurückschauen kann. Die Interkulturelle Woche hat sich zu einer vielbeachteten und in dieser Form in Deutschland einzigartigen Plattform für Begegnung, Austausch und Verständigung entwickelt. Und sie hat sich immer beharrlich für eine Verbesserung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Zusammenlebens aller Menschen in Deutschland eingesetzt. Hierfür bin ich allen Beteiligten dankbar!

Jubiläen sind gemeinhin ein Grund zur Freude, zur Übermittlung von Glückwünschen und guten Wünschen für die Zukunft. So möchte auch ich zunächst den Initiatoren der Interkulturellen Woche – also der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie – für ihr langjähriges Engagement danken. Sie haben es geschafft, dass auf den Veranstaltungen der Interkulturellen Woche mittlerweile Jahr für Jahr hunderttausende Teilnehmerinnen und Teilnehmer miteinander ins Gespräch kommen. Und die Initiative wächst stetig weiter.

Mein Dank gilt natürlich auch dem Ökumenischen Vorbereitungsausschuss, den Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden, Kommunen, Ausländer- bzw. Integrationsbeiräten sowie Integrationsbeauftragten, Initiativgruppen und Migrantenorganisationen. Sie alle sind wichtige Garanten dafür, dass sich die Interkulturelle Woche im September eines jeden Jahres einen festen Platz in den Veranstaltungskalendern unserer Städte und Gemeinden gesichert hat.

Ich finde, dass mehr als 500 beteiligte Städte und Gemeinden im ganzen Bundesgebiet mit über 4.500 Veranstaltungen eine überwältigende Resonanz sind. Das ist ein klares Zeichen der Zivilgesellschaft für ein friedliches und respektvolles Miteinander.

In meiner Funktion als Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration mischt sich in meinen Blick auf das Jubiläumsjahr aber auch Besorgnis.

Besorgnis darüber, dass die eigentlich selbstverständlichen und von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragenen Werte wie Religionsfreiheit, Respekt vor Anders- oder Nichtgläubigen sowie der Wille zu Austausch und Verständigung nicht für alle Menschen in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sind.

Oder, um es noch deutlicher zu sagen: Dass islamfeindliche Stimmungen, wie wir sie in den PEGIDA-Demonstrationen in Dresden und anderen Städten erleben mussten, ebenso »gesellschaftsfähig« geworden sind wie antisemitische Übergriffe auf Menschen in unserer Mitte, die sich durch das Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit zu ihrem jüdischen Glauben bekennen. Ebenso erschreckend finde ich, dass es in unserem Land junge Menschen gibt, die im Namen der Religion in einen Krieg ziehen, in dem scheinbar wahllos Menschen aller Religionen terrorisiert und ermordert werden.

Die Interkulturelle Woche setzt mit dem diesjährigen Motto »Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt« einmal mehr ein klares Zeichen. Ihre überzeugende Kernbotschaft lautet: »Die 40. Interkulturelle Woche möchte der Einfachheit des Denkens die Stärke der Vielfalt entgegensetzen.«

Da stimme ich sofort zu, die Vielfalt unseres Landes und seiner Menschen ist eine Stärke – und diesen Erfahrungsschatz müssen wir so mancher Einfalt entgegensetzen. Ich bin davon überzeugt, dass die Interkulturelle Woche 2015 dazu wieder viele Gelegenheiten gibt.

Und ich wünsche uns allen, dass aus Begegnungen und Gesprächen regelmäßige Kontakte und auch Freundschaften wachsen können – Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher kultureller Herkunft. Nur so kann und wird es uns gemeinsam gelingen, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft weiter zu stärken. Das Materialheft gibt dafür nützliche Anregungen, Informationen und Argumentationshilfen.

Ich wünsche allen Beteiligten eine anregende und gewinnbringende Interkulturelle Woche 2015.

 
Materialheft:
Gliederung 2015
Autorin:
Aydan Özoğuz, Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration