Grußwort zur 40. Interkulturellen Woche 2015

 
© Ralf Schedlbauer / Stadt Nürnberg

»Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt.« – unter diesem Motto begehen wir nunmehr zum 40. Mal die Interkulturelle Woche, mittlerweile in mehr als 500 Städten und Gemeinden im gesamten Bundesgebiet mit über 4.500 Veranstaltungen. Zu diesem Jubiläum gratuliere ich allen Beteiligten und Förderern recht herzlich. Zu Recht können sie alle stolz sein auf diese beeindruckende Kontinuität und den jährlich bedeutenden und breitenwirksamen Beitrag für die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Deutschland!

Um Integration zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, brauchen wir die Fähigkeit, mit Vielfalt umzugehen. Und das geschieht vor Ort, dort wo Menschen alltäglich aufeinandertreffen. Dort muss es gelingen, Vielfalt von Kulturen und Traditionen zu leben und Tendenzen von Fremdenfeindlichkeit und aufkeimenden Ängsten mit Nachdruck entgegenzuwirken.

Die Städte stellen sich entschieden in den Dienst der Förderung und Stärkung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und messen ihr eine sehr hohe kommunalpolitische Bedeutung bei. Sie bringen sich intensiv ein, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und religiöser Orientierung vor Ort erfolgreich zu gestalten und voranzubringen.

Aber auch auf der Bundesebene setzen sie wichtige Impulse. Mit der Erarbeitung des Nationalen Integrationsplans, an dem neben Bund und Ländern die Städte intensiv mitgewirkt haben, hat die lokale Integrationspolitik eine deutliche Aufwertung erfahren. Mit dem Nationalen Aktionsplan Integration werden die Bedingungen für eine gelingende Integration und die Teilhabechancen für Menschen mit Migrationshintergrund vor Ort noch weiter verbessert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Entwicklung und Fortschreibung kommunaler Gesamtstrategien zur Integration, die Erarbeitung von Leitlinien mit klaren Zielen und Handlungsprioritäten, die Stärkung der interkulturellen Öffnung der Verwaltung sowie die Verbesserung der Partizipation von Migrantinnen und Migranten.

In vielen Stadtquartieren, in denen ein hoher Anteil an Zuwanderern lebt, wird über Quartiersmanagement und Netzwerkbildung das Zusammenleben zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen gefördert. Um eine zielgerichtete Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund an der Quartiersentwicklung zu erreichen, werden niedrigschwellige Beteiligungsverfahren durchgeführt sowie eine große Bandbreite an entsprechenden sozialen und kulturellen Angeboten bereitgestellt. Dabei werden die Städte unterstützt durch Förderinstrumente von Bund und Ländern sowie der Europäischen Union.

Ein herausragendes Thema ist die Integration von Migrantinnen und Migranten in Bildungseinrichtungen – in Kita, Schule und Ausbildung – und in den Arbeitsmarkt. Hier ergreifen und finanzieren die Städte eine Vielzahl von Maßnahmen, um über Bildung, Arbeit und Beschäftigung zum Gelingen der Integration beizutragen.

Mit seiner Konferenzreihe unter dem Motto »Städte l(i)eben Vielfalt« trägt der Deutsche Städtetag seit mehreren Jahren zur breiteren Verankerung der Integrationsthematik sowohl in den Städten als auch in der Fachöffentlichkeit bei. Mit nunmehr drei zurückliegenden Konferenzen zu den wichtigen Themen Diskriminierung, Willkommenskultur und Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt konnte so ein Beitrag geleistet werden, Veränderungen in den städtischen Entscheidungs- und Verwaltungsstrukturen, bei den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen von Bund und Ländern anzustoßen.

Die Herausforderungen, die an die Städte gestellt werden, um Integration erfolgreich zu gestalten, wachsen stetig weiter. Die Versorgung von einer weiter steigenden Zahl von Flüchtlingen, die aus humanitären Gründen zu uns kommen und in den Städten ausdrücklich willkommen sind, stellt die Städte aktuell vor große Aufgaben.

Dennoch, die Städte setzen ihren Weg unbeirrt fort. In den Städten wird Vielfalt gelebt und das Miteinander gestaltet. Ich danke allen, die bislang zum Gelingen von Integrationsprozessen vor Ort beigetragen haben und erhoffe mir eine intensive weitere Beachtung des Themas für uns alle. In diesem Sinne wünsche ich der diesjährigen 40. Interkulturellen Woche einen guten Verlauf, viele fruchtbare Begegnungen und Erkenntnisse.

 
Materialheft:
Gliederung 2015
Autor:
Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg und Präsident des Deutschen Städtetages