Werkstattberichte: die IKW vor Ort

 

In mehr als 500 Landkreisen, Städten und Gemeinden findet die Interkulturelle Woche (IKW) mit rund 5.000 Veranstaltungen statt. Jedes Jahr kommen neue Orte hinzu. Wir haben in verschiedenen Städten nachgefragt, welche Erfahrungen die Organisatorinnen und Organisatoren gerne weitergeben möchten, um anderen Akteur*innen bei Planungen von Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Woche Impulse zu geben. Wir haben gefragt, was besonders gut gelungen ist, aber auch, wo Schwierigkeiten auftauchten. Wir wollten wissen, was bei der Planung beachtet werden sollte und welche Überraschungen die Veranstaltenden erlebt haben. Und zu guter Letzt fragten wir, aus welchem Selbstverständnis heraus diejenigen, die mit viel Arbeit die Interkulturelle Woche jedes Jahr wieder organisieren, dies tun. Die Antworten dokumentieren wir im Folgenden.

Mühlhausen und Unstrut-Hainich-Kreis

»Einen beständigen fröhlichen, lebensbejahenden Geist zu haben, das erscheint uns wichtig für die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen.«
Christina und Eberhard Vater

Voraussetzung für das Gelingen der Arbeit ist Kontinuität. Seit 14 Jahren engagieren wir uns für die IKW. Als Pfarrerehepaar – inzwischen im Ruhestand – sahen und sehen wir uns als eine wichtige Brückenfunktion zwischen Kommune und Kirchen. Auch wenn wir uns so manches Mal zwischen den Stühlen wiederfanden, durften wir erleben, dass die Brücke von beiden Seiten beschritten wurde. Das hat uns über all die Jahre gestärkt und ermutigt. Angefangen hat die IKW in Mühlhausen, vor ein paar Jahren kam der Unstrut-Hainich-Kreis (UHK) hinzu. © Foto: privat

Vor elf Jahren haben wir den Verein »Miteinander e.V.« gegründet, der maßgeblich an der Planung der Interkulturellen Woche beteiligt ist. Er hat 35 Mitglieder und engagiert sich für das friedliche Zusammenleben in einer pluralen Gesellschaft. Neben dem Vorbereitungskreis zur IKW entstand 2015 ein weiterer Trägerkreis – »AK soziale Integration« –, der um ehrenamtliche Pat*innen für Migranten wirbt. Die Pat*innen sind in die IKW eingebunden. Durch den Beschluss der Landesregierung, die in Mühlhausen eingerichtete Erstaufnahmeeinrichtung bereits nach einem Jahr zu schließen, veränderte sich die Situation für die ehrenamtlichen Mitstreiter*innen. Das freiwillige Engagement musste neu konzipiert werden und verlagerte sich vorwiegend auf den sozialen Bereich.

Trotz vieler Schwierigkeiten bleibt das Netzwerk der IKW die Klammer, die alle und alles zusammen hält. So erfahren wir beispielsweise an Schulen durch Lehrer*innen punktuelle, positive Reaktionen auf unsere Angebote zur IKW. Wenig Erfolg hatte unsere Bemühung, Ärzt*innen mit Migrationshintergrund aus Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen als Partner für die interkulturelle Arbeit im Rahmen der IKW zu gewinnen.

Bei der Planung von Veranstaltungen erscheint uns besonders wichtig, Themen der jeweiligen IKW im Blick zu haben. Die Materialhefte und Informationen des ÖVA sind sehr hilfreich. Bei allen ökumenischen Gottesdiensten zur IKW waren uns die Bausteine im Materialheft eine wertvolle Unterstützung und erleichterten die Vorbereitungen in den verschiedenen gastgebenden Gemeinden.

Die Schirmherrschaften für die Interkulturelle Woche hatten bisher die Oberbürgermeister der Stadt Mühlhausen und der Landrat des UHK. Einladungen zur IKW erhielten daher auch Stadträt*innen und Kreistagsabgeordnete. Anfangs fanden die Eröffnungsveranstaltungen in der Rathaushalle statt, später aus Platzmangel im Mehrgenerationenhaus Mühlhausen, in der Volkshochschule und einmal sogar im Kloster Volkenroda.

Die jahrelange Zusammenarbeit mit der Jugendkunstschule der Stadt ist zum Farbtupfer der IKW geworden. Im Vorfeld gestalten die Mitarbeiter*innen mit Migrantenkindern sehr persönliche »Kunstwerke«, die im Rahmen der IKW in Kirchen oder an anderen Orten ausgestellt werden und viel Beachtung finden.

Schön war eine gesponserte Fahrt mit dem Bus »Westthüringer Heimatexperte«. Wir waren mit mehr als 40 Migrant*innen und einigen Paten auf dem Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich.

In der Broschüre zum zehnjährigen Bestehen unseres Vereins steht ein Satz, der uns aus dem Herzen spricht und unser Wunsch ist: »Einen beständigen fröhlichen, lebensbejahenden Geist zu haben, das erscheint uns wichtig für die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen. Und: Dass sie von denen unterstützt werden, die Verantwortung in Politik, Kirche und Gesellschaft übernommen haben.«


Info Mühlhausen und Unstrut-Hainich-Kreis

Die Interkulturelle Woche gibt es in Mühlhausen (rund 35.000 Einwohner) seit 2004, in Bad Langensalza (18.000 Einwohner) seit 2014 und in Schlotheim (4.000 Einwohner) seit 2015.
Im Landkreis finden 28 bis 35 Veranstaltungen statt.


Emmendingen

»Die Beteiligung ›der ganzen Stadt‹ sichert ein vielfältiges Angebot, eine Begegnung auf Augenhöhe und regen Besuch der Veranstaltungen.«
Katharina Katt

Eine tolle Idee war die »Interkulturelle Tanzshow«, in der viele Gruppen ihre Tänze zeigten: von deutschen Turnvereinen und American Line Dancern bis hin zur Dabke-Tanzgruppe aus Syrien und zu Aufführungen kurdischer, afghanischer, philippinischer Tänzer*innen. Die Veranstaltung war mit über 400 Gästen hervorragend besucht. Sehr gut angenommen wurden auch landeskundliche Vorträge von Geflüchteten und Zugewanderten. © Foto: Stadt Emmendingen

Bei der Planung von Veranstaltungen ist uns wichtig, dass viele Kooperationspartner*innen aus dem städtischen Leben und insbesondere auch zugewanderte bzw. geflüchtete Menschen einbezogen werden, damit sie von der Aufnahmegesellschaft als kompetente Personen wahrgenommen werden können. Zugewanderte sollten als aktiv Beitragende mitbestimmen können, welches Bild sie von ihrer Herkunftskultur vermitteln möchten, und erleben, dass dies in Emmendingen mit Interesse aufgenommen wird. Beim Vorbereiten ihrer Beiträge können sie zudem ihr Potential weiterentwickeln.

Überrascht waren wir davon, dass sich die Übersetzung des Programm-Flyers in »einfache Sprache« schwieriger gestaltete als gedacht. Wir hatten ein Übersetzungsbüro engagiert, dessen Arbeit bei unserer Kontrollgruppe – Teilnehmer*innen eines Integrationskurses auf A2-Niveau – zunächst »durchfiel«. Die erklärenden Sätze in einfacher Sprache waren den Migrant*innen zu viel. Sie bevorzugten kurze Stichworte zum »Durchscrollen« des Programms.

Uns ist es wichtig, die Interkulturelle Woche zu organisieren, weil wir die bunte Vielfalt in unserer Stadt zeigen und allen Mitwirkenden die Chance zum gemeinsamen Miteinander-Gestalten bieten möchten. Wir begreifen die IKW auch als politische Bildungsmaßnahme, um die Akzeptanz der Aufnahmegesellschaft gegenüber Zugewanderten zu fördern.


Info Emmendingen

Die Interkulturelle Woche findet regelmäßig seit 2016 statt. 2017 wurden 24 Veranstaltungen angeboten.
Emmendingen hat 28.000 Einwohner*innen, davon haben 12,5% einen familiären oder eigenen Migrationskontext.


Ansbach

»Wir organisieren die Interkulturelle Woche, weil wir eine Botschaft des respektvollen Miteinanders transportieren wollen.«
Iryna Savchenko

Wichtig ist, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen; nicht zu viel und nicht zu wenig anzubieten; möglichst viele Zielgruppen (Unterschiede in Herkunft, Alter, in sozialer, politischer Position, in Religion) anzusprechen; bewährte Veranstaltungsformate und neue Aktionen zu mischen sowie neue Kooperationspartner*innen zu gewinnen.

Nicht so gut besucht sind bei uns Podiumsdiskussionen zu (schwierigen) Themen rund um Migration. Das Publikum setzt sich oft aus dem immer gleichen Personenkreis zusammen. Darunter sind wenig Zugewanderte. © Foto: Stadt Ansbach

Bei der Planung von Veranstaltungen ist besonders wichtig, dass die Zusammenarbeit mit allen beteiligten Organisationen und Kooperationspartner*innen vertrauensvoll ist. Wenn alle Mitglieder (stimmberechtigte und beratende) des Integrationsbeirats zum Mitmachen motiviert werden, bringen sie eigene Vorschläge und Ideen ein. Wertvoll ist eine gute Zusammenarbeit mit den Medien sowie den sozialen Netzwerken, damit sie die Termine veröffentlichen, sowie die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Es freut uns, dass von Jahr zu Jahr mehr Menschen an den Veranstaltungen teilnehmen, die Medien positiv berichten und sowohl der Stadtrat als auch die Kirchen, Vereine und andere mit uns kooperieren sowie viele gute Ideen einbringen.

Wir möchten mit unserer Interkulturelle Woche Integration erleichtern, Konflikte entschärfen und dazu beitragen, die bereichernde Vielfalt der Kulturen zu erkennen und zu schätzen. Manche finden die IKW wichtig und interessant, für andere ist sie überflüssig.


Info Ansbach

  • Die Interkulturelle Woche startete in der Stadt Ansbach 1993, also vor 25 Jahren. Veranstaltet wird sie vom Integrationsbeirat der Stadt Ansbach, der/die Oberbürgermeister*in hat die Schirmherrschaft.
  • In der Regel dauert die IKW bei uns zwei Wochen. Durchschnittlich finden 10 bis 15 Veranstaltungen statt.
  • Aktuell hat Ansbach ca. 41 500 Einwohner*innen.
  • Im Moment leben in Ansbach ca. 5.800 Ausländer*innen (inklusive EU-Bürgern). Durchschnittlich 50 Personen nehmen pro Jahr die deutsche Staatsangehörigkeit an. In Ansbach wohnen viele Spätaussiedlerfamilien, nach Einschätzung vom Bund der Vertriebenen waren dies vor etwa 10 Jahren 4.000 - 4.500 Personen.

Magdeburg

»Die Themen Interkulturalität und Integration sind durch öffentliche Debatten und Gesetzesänderungen bedeutender geworden.«
Manja Lorenz

Zusammenleben in Vielfalt ist ein Querschnittsthema. Daher ist uns die breite Mobilisierung zur Interkulturellen Woche sehr wichtig. Wir binden in Magdeburg Kindertagesstätten, Schulen, Universität, Religionsgemeinschaften, Vereine, Verbände und viele andere Gruppen in die IKW ein.

Eine Auftaktveranstaltung – wie in den Jahren 2003 bis 2006 – würden wir nicht wieder in einem Einkaufszentrum ausrichten. Damals war es ein innovativer Ansatz nach dem Motto »Die Menschen dort abholen, wo sie sind«. Seit 2007 sind wir an Orten, an denen wir die Inhalte, die Ausrichtung, die Zielgruppenansprache selbstbestimmt(er) steuern können, z.B. auf einer Grünfläche am Rathaus, auf einem zentral gelegenen Spielplatz in der Altstadt und in einem als Großraumgalerie umgebauten Straßenbahndepot. © Foto: Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V.

Seit einigen Jahren findet der Auftakt der IKW am Freiwilligentag der Stadt Magdeburg statt. So werden ehrenamtlich Aktive aus anderen Ehrenamtsfeldern auf uns aufmerksam und packen sogar mit an – wie etwa bei der Interkulturellen Kaffeetafel. In 2017 haben wir erstmals den offiziellen Auftakt beider Veranstaltungen zusammengelegt und im Rathaus gefeiert. Das brachte Gruppen zusammen, die zusammengehören, und wurde von allen als besondere Form der Wertschätzung wahrgenommen.

Vor Beginn der Planung sollten Themen gesetzt werden. In Magdeburg organisiert die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. (AGSA) gemeinsam mit dem Integrationsnetzwerk die Abläufe. Wichtig ist, dass die IKW über das gesamte Stadtgebiet verteilt stattfinden kann und es keine Terminüberlappungen von Angeboten für die gleiche Zielgruppe gibt.


Info Magdeburg

Die Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. hat die Interkulturelle Woche 1997 gestartet. Seit 2006 wird die »Woche« in enger Kooperation mit der Stadt Magdeburg (Netzwerk für Integrations- und Zuwanderungsarbeit) geplant. 20 bis 30 Veranstaltungen finden statt.
Magdeburg hat 240.000 Einwohner*innen, davon haben 7,8 % migrationsbiografische Bezüge.


Cottbus

»Bei der Planung von Veranstaltungen ist besonders wichtig, dass eine breite Öffentlichkeit erreicht wird.«
Henry Crescini

Folgendes würde ich genauso wieder machen: Ein Organisationsteam aus Akteurinnen und Akteuren aus unterschiedlichen Feldern bilden, damit viele gute Ideen zusammenkommen.

Bei der Planung von Veranstaltungen ist es besonders wichtig mitzudenken, dass eine breite Öffentlichkeit erreicht werden soll und nicht nur die Menschen, die sich bereits mit Interkulturalität befassen. © Foto: ÖVA zur IKW

Im Rückblick auf die seit 2015 stattfindende Interkulturelle Woche überrascht und freut uns, dass sich viele Cottbuser*innen, die sonst wenig Kontakt zu Menschen mit Migrationsbezug haben, für die Veranstaltungen interessierten.

Wir organisieren die IKW, weil wir in unserer Stadt zur Verständigung von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion beitragen möchten. 


Info Cottbus

Die Interkulturelle Woche startete 2015 mit 36 Veranstaltungen. 2017 standen bereits 51 Angebote im Programm.
Cottbus hat 100.945 Einwohner*innen, von denen ca. 8.450 einen familiären oder eigenen Migrationskontext haben.


 

 
Materialheft:
Gliederung 2018
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Weitere Informationen:

Info Mühlhausen und Unstrut-Hainich-Kreis

Die IKW gibt es in Mühlhausen (rund 35.000 Einwohner) seit 2004, in Bad Langensalza (18.000 Einwohner) seit 2014 und in Schlotheim (4.000 Einwohner) seit 2015.
Im Landkreis finden 28 bis 35 Veranstaltungen statt.