Zwei Kampagnen der Diakonie

 
Am 17.06.17 rief die Diakonie mit der Initiative »Offene Gesellschaft« dazu auf, ein Zeichen für Demokratie und friedliches Miteinander zu setzen. Deutschlandweit beteiligten sich Menschen mit insgesamt 455 öffentlichen Tafel. © Stephan Röger, Diakonie

Kennen. Lernen. Eine Initiative für Vielfalt und Begegnung

Die Ausgangslage

Unsere Gesellschaft wird religiös, kulturell und sozial vielfältiger. Das hat Auswirkungen auf unser tägliches Miteinander. Viele Menschen begegnen den Veränderungen mit Offenheit und Neugier, andere reagieren mit Abwehr, fühlen sich selbst nicht wahrgenommen, nicht wertgeschätzt und ins soziale Abseits gedrängt. Die weltweiten Krisen- und Konfliktsituationen haben dazu geführt, dass Menschen flüchten und auch bei uns Schutz suchen. Die Globalisierung stellt hohe Anforderungen an Flexibilität und Mobilität von Menschen. Flucht und Wanderungen führen zu größerer Heterogenität unserer Gesellschaft. Migration und Diskriminierungserfahrung haben oft das Gefühl von Entwurzelung zur Folge. Menschen eine Heimat in der Gesellschaft zu geben, bedeutet ihnen zumindest anfangs Unterstützung in allen Lebensbereichen vom Arbeiten bis zum Wohnen, von der Bildung und Ausbildung bis zur Gesundheitsversorgung zu bieten.

Unsere Motivation

Die Diakonie unterstützt und begleitet Menschen dabei, eine lohnende Perspektive für ihr Leben zu finden. Sie tritt öffentlich ein für eine offene, vielfältige Gesellschaft, in der Menschen sich vor Ort in ihrem Alltag mit Respekt und Toleranz begegnen. Sich kennenzulernen ist ein erster Schritt für ein neues Miteinander und für einen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Integration, Inklusion und Teilhabe sind als Querschnittsthemen relevant für alle diakonischen und kirchlichen Arbeitsfelder. Deshalb macht die Diakonie das Kennenlernen zum Kern ihres Schwerpunktthemas 2018-2020: »Kennen. Lernen. Eine Initiative für Vielfalt und Begegnung«.

Was getan werden muss

Soziale Teilhabe und Zusammenhalt entstehen nicht von allein, sondern müssen gelernt und aktiv politisch und gesellschaftlich gestaltet werden. Die Diakonie arbeitet dafür, dass ein neues Miteinander gelingt und der soziale Kitt in unserer Gesellschaft nicht weiter bröckelt. Die Nachhaltigkeit von gesellschaftlichem Zusammenhalt hängt auch von politischen Weichenstellungen ab.

Sozialer Ausgrenzung und Benachteiligung und der Sorge vor dem sozialen Abstieg muss mit konkreten politischen Maßnahmen begegnet werden. Dazu gehören eine ausreichende soziale Absicherung und eine gut ausgebaute, verlässliche und allen zugängliche soziale und Infrastruktur. Dazu gehören Investitionen in Bildung und Ausbildung und eine aktive Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik. Die demokratische, zivilgesellschaftliche Teilhabe muss gestärkt werden, damit Menschen erleben, dass ihre Meinung zählt und sie ihr Umfeld mitgestalten können. Eine Kultur der Wertschätzung von Vielfalt ist zu fördern und zugleich muss allen Formen der Diskriminierung und des Rassismus eine klare Absage erteilt werden.

Die Umsetzung – Botschafter*innen des Kennen.Lernens.

Interessierte und engagierte Menschen, Projekte, Gemeinden und Einrichtungen werden als Botschafter*innen gesucht. Über eine Onlineplattform, eine App sowie Ideenbörsen und Gipfeltreffen werden die Botschafter*innen vernetzt und unterstützt. Wir wollen Beispiele guter Praxis und gelungene Initiativen des Kennen.Lernens. hervorheben und zu eigenen Aktivitäten anregen. Dazu wollen wir auch prominente Unterstützer*innen aus Kultur, Sport und dem gesellschaftlichen Leben gewinnen, die sich für Vielfalt einsetzen und Initiativen mit Kurz-Spots, Statements und Fotos unterstützen.

Die Initiative lädt vor Ort gemeinsam mit den evangelischen Kirchen zur Beteiligung ein. Begleitet wird das Schwerpunktthema im Laufe der drei Jahre durch thematische Materialien, Positionierungen und Publikationen, die Perspektiven und Handlungsstrategien zum kulturellen, religiösen und sozialen Miteinander entwickeln und Impulse in Kirche, Politik und Gesellschaft geben.„Kennen. Lernen. Eine Initiative für Vielfalt und Begegnung« entfaltet ihren Facettenreichtum über die Laufzeit der drei Jahre. Ein Einstieg und eine Beteiligung sind jederzeit möglich!

Die Interkulturelle Woche steht für eine lange Tradition der Begegnung auf Augenhöhe und ist deshalb gut geeignet, die beschriebenen Möglichkeiten der Initiative aufzugreifen. Wir möchten Veranstaltende der Interkulturellen Woche dazu einladen, als Botschafter*innen des Kennen.Lernens. ihre Aktivitäten zu präsentieren und sich umgekehrt den Ideenreichtum der Anderen für Veranstaltungen vor Ort zunutze zu machen. 

Weitere Informationen und Kontakt unter: www.diakonie.de/kennenlernen


Es geht um das #Zuhören

Die UNERHÖRT!-Kampagne der Diakonie diskutiert die Frage sozialer Teilhabe

»UNERHÖRT! Diese Obdachlosen«, »UNERHÖRT! Diese Flüchtlinge« – mit pointierten Headlines wie diesen wirbt die Diakonie aktuell und in den kommenden drei Jahren auf sattvioletten Plakaten in ganz Deutschland. Auf den puristischen Werbetafeln sind neben diesem Slogan nur die Webadresse www.unerhört.de sowie der Hashtag #zuhören aufgedruckt, die zur direkten Information und Beteiligung aufrufen.

Der Doppelsinn der UNERHÖRT!-Headline ist gewollt. Einerseits wird klar, dass sich diese Kampagne den »Unerhörten« der Gesellschaft zuwendet, andererseits wird die Skandalisierungswut der heutigen Mediengesellschaft bewusst persifliert. Das Ziel ist, die Betrachtenden mit diesen provozierenden Claims in einen Dialog zu bringen.

Denn es geht bei der Unerhört-Aktion um viel mehr als um Eigenwerbung für die Diakonie und deren Kernauftrag, sich den Hilfebedürftigen unserer Gesellschaft zu widmen. Es geht ums Zuhören und um den Diskurs, darum, für jene die Stimme zu erheben, die in unserer Zeit eben kein Gehör finden. Das werden im Verlauf der Kampagne noch weitere Gruppen sein als nur Wohnungslose und Flüchtlinge, zu deren Anwältin sich die Diakonie ganz bewusst erklärt, um Ursachen von sozialer Not gegenüber Politik und Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rücken. Unerhört sind beispielsweise auch die Hartz-IV-Empfänger*innen, die Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Handicap, die Alleinerziehenden, kranke und alte Personen und leider viele andere mehr!

Es geht um die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben – und wie wir heute und künftig miteinander umgehen wollen. Das Thema sozialer Teilhabe steht hier im Zentrum, es ist vielleicht das zentrale verkannte Thema unserer Zeit und lässt sich nicht einfach beiseiteschieben. Wer es ignoriert, macht die Populisten stark, die es mit Sündenbock-Projektionen, vermeintlich einfachsten Lösungen und finsteren Tiraden für sich besetzen – und das nicht nur im Internet.

Die Diakonie möchte mit dieser Kampagne einladen, diese Art Lautstärke zurückzudrehen und sachlich über Probleme zu diskutieren, die so groß geworden sind, dass sie sich nicht mehr länger aufschieben lassen. Und das soll nicht nur im Internet geschehen, sondern ebenfalls über eine bundesweite Veranstaltungsreihe, die UNERHÖRT!-Foren.

Dabei soll insbesondere über die Frage des Gelingens einer offenen und vielfältigen Gesellschaft gesprochen werden und darüber, von welchen Seiten her besondere Herausforderungen zu erwarten sind. Dazu zählen Globalisierung, Krisen, Klimawandel, Flucht, Vertreibung und natürlich die Digitalisierung, die die Arbeitswelt vor grundlegende Veränderungen stellen wird. All dies fördert einen zunehmend härter werdenden Existenzkampf, der mit schwindender sozialer Absicherung und Abstiegsängsten einhergeht.

Diese großen Umwälzungen haben ein erhebliches Potential, Menschen in »unerhörte« Lebenssituationen zu stoßen. Einige der Betroffenen und ihre berührenden Schilderungen können Sie auf www.unerhört.de anschauen oder als Audio-Beitrag erleben. Wer hier mit Offenheit zuhört, der kommt um die verstörende Erkenntnis nicht umhin, wie viel unerhörte Ausgrenzung in dieser Gesellschaft alltäglich geworden ist.

Weitere Informationen und Kontakt unter: www.unerhört.de