Arbeitsgruppe 3: Antisemitismus in der (Migrations-)Gesellschaft - Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven

 

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine moderne Vielfaltsgesellschaft, die sich zu ihrer historischen Verantwortung bekennt und das Recht auf Religionsfreiheit garantiert. Vielfältige jüdische Lebenswelten konnten sich entwickeln, die in der Gesellschaft ihren festen Platz gefunden haben. In den vergangenen Jahren erleben Jüdinnen und Juden in Deutschland aber erneut offene Anfeindungen und Übergriffe.

Die Arbeitsgruppe nimmt die unterschiedlichen Erscheinungsformen des neu aufkeimenden Antisemitismus in den Blick. Neben dem fest verwurzelten antisemitischen Gedankengut, das an den rechten Rändern der Gesellschaft immer offener verbreitet wird und subtil in alle Bevölkerungsschichten fortwirkt, stehen die verschiedenen Facetten des Antisemitismus von Eingewanderten im Fokus. Insbesondere die gegenwärtige Konjunktur des Antisemitismus in der arabischen Welt als einer Folge des Nahostkonflikts spielt hier eine entscheidende Rolle. Allerdings ist der in Deutschland immer offener gezeigte Antisemitismus kein „Migrantenproblem“, wie manche Medienberichte es nahelegen. Auch ist der Antisemitismus kein bloß „jüdisches Problem“. Solche kategorisierenden Zuschreibungen dienen eher der Abwehr. Der Antisemitismus muss aber als ein Problem begriffen werden, dass die gesamte Gesellschaft bedroht. Insofern stellt sich die Frage, wie eine aufgeschlossene und moderne Gesellschaft, als die sich Deutschland heute versteht, gegen antisemitische Anfeindungen wehren kann. Dabei müssen Strategien gegen Antisemitismus in einer Vielfaltsgesellschaft alle Bevölkerungsgruppen – über Herkunft und Religion hinweg – beteiligen. Eben darin liegt auch eine große Chance.

Die Referierenden und die Moderatorin:

  • Saba-Nur Cheema ist Leiterin der Pädagogischen Programme und Projekte der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main.
     
  • Dr. Felix Klein ist seit 1. Mai 2018 Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland. Das Amt des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus wurde 2018 eingerichtet und am Bundesministerium des Innern angesiedelt.
     
  • Dr. Yasemin El-Menouar ist Senior Expert bei der Bertelsmann Stiftung und leitet das Projekt Religionsmonitor, das sich mit Religion und gesellschaftlichem Zusammenhalt befasst.
     
  • Dr. Juliane Wetzel arbeitet seit 1991 am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Juden unter nationalsozialistischer Verfolgung, jüdische Nachkriegsgeschichte, Rechtsextremismus und aktuelle Formen des Antisemitismus in Deutschland und Europa sowie Antisemitismus im Internet.

Bundesweite Tagung zur Interkulturellen Woche vom 15. bis 16. Februar 2019, Evangelisches Johannesstift Berlin-Spandau