Mobile Beratung warnt vor Kürzungen in der Demokratiearbeit

Mobile Beratung warnt vor Kürzungen in der Demokratiearbeit

Quelle: Bundesverband Mobile Beratung

Zum 25. Jubiläum der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus warnt der Bundesverband Mobile Beratung vor Kürzungen der Demokratiearbeit – und appelliert an Politik, Wirtschaft, Stiftungen und Zivilgesellschaft, gerade jetzt zusammenzustehen.

Vor 25 Jahren – 2001 – ging in Ostdeutschland und Berlin ein einzigartiges Projekt an den Start: die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus. Sie steht Menschen, Organisationen und Institutionen zur Seite, die mit Rechtsextremismus konfrontiert sind und Demokratie verteidigen wollen. Heute sind über 200 Berater*innen in allen 16 Bundesländern im Einsatz – und seit zehn Jahren im Bundesverband Mobile Beratung (BMB) vernetzt.

Doch zum Jubiläum ist den Beratungsstellen nicht nach Feiern zumute: Das Bundesfamilienministerium plant drastische Umbauten bei "Demokratie leben!", dem BMB und vielen anderen Projekten droht ab 2027 das Aus. Ein Wegfall des Bundesverbandes hieße für die Mobile Beratung vor Ort: keine überregionale Vernetzung mehr, keine Weiterbildungen für Berater*innen, keine bundesweite Expertise für Schulen, zivilgesellschaftliche Bündnisse, Kommunalpolitik und Feuerwehr. Kurzum: weniger Unterstützung für die vielen mutigen Menschen im Land, die für demokratische Werte einstehen. Die geplanten Kürzungen gehen daher nicht nur zulasten der Beratungsstellen: Sie bedrohen den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Um Demokratie zu schützen, braucht es laut BMB neue, starke Allianzen: breite Bündnisse aus Politik, Wirtschaft, Stiftungen und Zivilgesellschaft, die gemeinsam Haltung zeigen für Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus.

  • Politik und Verwaltung sollten Demokratieprojekte stärken statt schwächen – und deren Förderung dauerhaft absichern.
  • Wirtschaftsunternehmen und -verbände profitieren von einer offenen Gesellschaft und können einen wichtigen Beitrag zu ihrer Stärkung leisten: indem sie demokratische Werte verteidigen, nach innen und nach außen.
  • Stiftungen können sich öffentlich positionieren, wenn Demokratie angegriffen wird, und ihre Förderprogramme für Demokratieprojekte ausbauen – als Investition in die Zukunftsfähigkeit des Landes.
  • Zivilgesellschaftliche Organisationen haben viel Erfahrung im Umgang mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus, können ihr Wissen teilen und dabei unterstützen, Strategien zur Stärkung der Demokratie zu entwickeln.

Zum 25. Jubiläum hat der BMB auch Erfahrungsberichte von Beratungsnehmenden und Kooperationspartner*innen sowie Erfolgsgeschichten Mobiler Beratung veröffentlicht.

"Als die Mobile Beratung vor 25 Jahren an den Start ging, war die Demokratie bereits gefährdet. Heute steht sie auf dem Spiel."
Grit Hanneforth, Geschäftsführerin des Bundesverbands Mobile Beratung

Stimmen zum Jubiläum

Grit Hanneforth, Geschäftsführerin des Bundesverbands Mobile Beratung: "Als die Mobile Beratung vor 25 Jahren an den Start ging, war die Demokratie bereits gefährdet. Heute steht sie auf dem Spiel: Die AfD greift nach der Macht, der politische Diskurs kippt weiter nach rechts, Antisemitismus und Rassismus prägen öffentliche Debatten. Zivilgesellschaftliche Organisationen können dieser Entwicklung nicht allein begegnen: Sie brauchen den Schulterschluss mit Politik, Wirtschaft und Stiftungen für ein gemeinsames solidarisches Handeln. Sie brauchen neue, starke Allianzen, die den Menschen im Land Mut machen und zeigen: Ihr seid nicht allein, wir stehen an eurer Seite und zeigen mit euch Haltung für demokratische Werte – gerade jetzt."

Lillian Mettler, Mobile Beraterin gegen Rechtsextremismus in Düsseldorf: "Unsere Arbeit ist heute wichtiger denn je: Jeden Tag wenden sich Menschen an uns, die Unterstützung beim Umgang mit rechtsextremen Vorfällen brauchen. Ohne uns wären viele von ihnen auf sich allein gestellt. Doch um diese Menschen weiterhin gut beraten zu können, brauchen wir einen starken Bundesverband: Er organisiert überregionalen Austausch und bündelt das Wissen aller Beratungsstellen – damit wir das Rad nicht neu erfinden müssen, sondern voneinander lernen können. An Karin Prien gerichtet gilt daher: Nehmen Sie die Engagierten vor Ort ernst – und Abstand von den geplanten Kürzungen."

Michael Sasse, Sprecher der Demokratie-Initiative Offen für Vielfalt e.V., Kassel: "Demokratische Werte zu verteidigen, funktioniert nicht vom Spielfeldrand aus: Auch die deutsche Wirtschaft muss aktiv mitspielen. Rechtsextremismus vergiftet das Betriebsklima, verschreckt Fachkräfte und bedroht unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer demokratische Werte leben und Hass im Betrieb verhindern will, muss Position beziehen. Haltung zeigen ist unternehmerische Pflicht. Die Mobilen Beratungsteams sind dabei ein unverzichtbarer Partner: Sie helfen, klug und wirksam zu handeln. Ihr Engagement nur zu loben, reicht nicht. Es muss sichtbar und konsequent weiter unterstützt werden."

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Jennifer Pross
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