Fragen und Antworten zur Durchführung der Interkulturellen Woche

In immer mehr Städten und Gemeinden findet die bundesweite Interkulturelle Woche (IKW) statt. Das Engagement von Einzelnen und Gruppen vor Ort ist beeindruckend. In jedem Jahr sind Kommunen dabei, die zum ersten Mal eine Interkulturelle Woche konzipieren. Wir haben deshalb im Folgenden einige Fragen für Sie zusammengestellt, deren Beantwortung es Ihnen erleichtern soll, die Interkulturelle Woche vor Ort zu planen und durchzuführen. Dieser Beitrag wird mit Blick auf die besondere Situation der Interkulturellen Woche 2020 fortlaufend aktualisiert (aktueller Stand: 23. April 2020).

Sollen wir 2020 unter den gegebenen Umständen überhaupt eine Interkulturelle Woche veranstalten?

Auf jeden Fall! Denn es ist viel schwieriger, eine Veranstaltungsreihe, die sich vielerorts etabliert hat, wiederaufzunehmen, wenn sie ein Jahr lang ausgefallen ist, als sie ein Jahr lang in einem verringerten oder abgewandelten Umfang durchzuführen. Darauf lässt sich 2021 wieder aufbauen. Außerdem müssen wir damit rechnen, dass gerade im Moment Rechtspopulisten und Rechtsextremisten versuchen werden in freiwerdende gesellschaftliche Räume vorzudringen. Auch deshalb ist es wichtig, das Engagement aufrecht zu erhalten und zu zeigen, dass die Vielfaltsgesellschaft gut funktioniert, stark und solidarisch ist und auch in einer Krise niemanden zurücklässt – unabhängig von der Herkunft oder dem sozialen Status.

Jedoch ist es sicherlich sinnvoll, zurückhaltend zu planen in Bezug auf die Anmietung größerer Räume und anderer sehr kostenintensiver Events, die auf direkter Begegnung beruhen. Vielleicht ist es am Ende einfacher, spontan im September Tische auf dem Marktplatz für ein interkulturelles Stadtfrühstück aufzustellen, zu dem jede/r etwas mitbringt, als sich die Kosten für ein Hallenevent aufzubürden, das kurzfristig abgesagt werden muss.

 

Welche Veranstaltungsformate eignen sich in Zeiten, in denen es Kontakteinschränkungen gibt?

Hier ist Kreativität gefragt. Derzeit (Stand: 23. April 2020) sind Großveranstaltungen bundesweit zunächst bis zum 31. August verboten – wobei nicht einheitlich geregelt ist, ab welcher Teilnehmerzahl von einer „Großveranstaltung“ gesprochen wird. Für kleinere Veranstaltungen können die Bundesländer jeweils eigene Verordnungen erlassen. So sind etwa in Thüringen ab dem 3. Mai Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit bis zu 30 Teilnehmern „in besonders gelagerten Einzelfällen auf Antrag zulässig“. Unter freiem Himmel dürfen sich bis zu 50 Teilnehmer treffen – wenn jeweils entsprechende Hygienevorschriften umgesetzt werden. Beide Regelungen gelten auch für Gottesdienste. (Link zur Corona-Verordnung des Landes Thüringen vom 18. April). Auch weitere Bundesländer arbeiten an solchen Verordnungen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Aber auch, wenn die komplette Kontaktsperre weiterbesteht, gibt es Möglichkeiten für Veranstaltungen:

  • Ein Fotowettbewerb zu einem Thema, das zur Interkulturellen Woche passt, kann online organisiert werden. Die Preisverleihung findet zunächst ebenfalls virtuell statt und im Rahmen einer Veranstaltung, wenn es wieder möglich ist.
  • Singen vorm Seniorenzentrum
  • „Gespräche über den Gartenzaun“
  • Lesungen, Konzerte, Gottesdienste oder Gespräche können auch im Internet übertragen werden. Hier finden Sie ein Dossier zum Thema. Es bezieht sich auf Gottesdienste, gerade die technischen Hinweise sind jedoch auch auf andere Veranstaltungsformate anwendbar.

Bei allen Veranstaltungen, die zunächst ohne oder nur mit sehr wenig Publikum stattfinden, ist es wichtig, die lokalen Medien mit ins Boot zu holen, damit sie darüber berichten. TV- und Radiosender können durch Kooperationen helfen, eine Veranstaltung im Internet zu übertragen. Auch viele Zeitungsredaktionen verfügen über die entsprechende Ausrüstung und das Know-how.

Sie haben noch mehr Ideen? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an info@interkulturellewoche.de.

An wen richtet sich die Interkulturelle Woche und wer beteiligt sich an ihr?

Die Interkulturelle Woche bietet ein Dach für alle Organisationen, Gemeinden und Einzelpersonen, die sich am interkulturellen Dialog beteiligen. Sei es in der Kirche, einem Verein, der Kinder- und Jugendarbeit, der Stadtverwaltung, der Gewerkschaft, den Wohlfahrtsverbänden, als Integrationsbeiräte oder in anderen Zusammenhängen.
Die Veranstaltungen sollten ein möglichst breites Publikum ansprechen und das interkulturelle Angebot der Kommune/Gemeinde widerspiegeln. Außerdem können sie genutzt werden, um politisch Verantwortliche und Betroffene ins Gespräch zu bringen und durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit wichtige politische Themen zur Diskussion zu stellen.

Was brauche ich, um die Interkulturelle Woche an meinem Wohnort/in meiner Gemeinde „anzustoßen“?

Als sinnvoll hat es sich erwiesen, dass eine verbindliche Vorbereitungsgruppe die Organisation übernimmt. Aus dieser heraus können die Gemeinden, Schulen/Hochschulen, Verbände, Vereine, Organisationen und Einrichtungen sowie Einzelpersonen, Geschäftsleute und Medienvertreter vor Ort angesprochen werden.

Ist meine Stadt/mein Dorf zu klein, um eine IKW zu organisieren?

Nein – denn es ist möglich, die Interkulturelle Woche an einem Tag zu bündeln oder auch nur ein Fest/einen Gottesdienst/eine Veranstaltung durchzuführen. Kleinere Gemeinden können sich auch auf Kreisebene zusammenschließen und so die Interkulturelle Woche organisieren.

Welche Veranstaltungsformate können in "normalen" Zeiten angeboten werden?

Die Möglichkeiten des Angebotes unterscheiden sich lokal sehr stark. Deshalb an dieser Stelle einige Ideen, die Sie auf die Brauchbarkeit vor Ort hin prüfen und nach Ihren örtlichen Gegebenheiten ergänzen können:

  •     Gottesdienste/Gemeindefeste/Angebote für die Junge Gemeinde
  •     Diskussionen
  •     Lesungen z. B. in Bibliotheken,Buchhandlungen oder Schulen
  •     Ausstellungen - in Kirchen, Rathäusern oder Bildungseinrichtungen
  •     Konzerte
  •     Filmvorstellungen
  •     Theater- und Tanzaufführungen
  •     Fußball- oder andere Sportturniere
  •     Fahrradtouren
  •     Interkulturelle Feste
  •     Interreligiöse Stadtführungen
  •     Aktionstage in Institutionen wie Jugendtreffs, Schulen, Kindergärten etc.;  Tage der offenen Tür

Unter dem Menüpunkt Good Practice auf dieser Internetseite finden Sie Anregungen für Ausstellungen, Lesungen/Buchvorstellungen, Theaterstücke sowie weitere Projektideen und Materialien. Außerdem haben wir liturgische Bausteine, Gottesdienstabläufe und Predigten eingestellt. In Kürze können Sie im Online-Archiv  die Materialien aus den Vorjahren einsehen sowie die lokalen Veranstaltungsprogramme aufrufen. 

Ist der vom Ökumenischen Vorbereitungsausschuss (ÖVA) vorgeschlagene Termin verbindlich?

Nein. Es handelt sich hierbei um einen Vorschlag. Oft erlauben es die Gegebenheiten vor Ort nicht, die IKW in diesem Zeitraum zu organisieren. Wichtiger als der vorgeschlagene Termin ist es, dass sich möglichst viele vor Ort beteiligen können. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass viele Interkulturelle Wochen schon vor dem vorgeschlagenen Termin beginnen oder auch länger dauern.

Wo melde ich meine IKW an?

Wenn Sie zum ersten Mal eine Interkulturelle Woche organisieren, sagen Sie uns kurz und formlos Bescheid, am besten per E-Mail an info@interkulturellewoche.de. Telefonisch sind wir auch für Sie da unter 069/24231460.

Wie werbe ich für die Interkulturelle Woche?

Der ÖVA bietet Plakate im Format A1, A2 und A3 mit dem Motto und Motiv des jeweiligen Jahres an. Diese können Sie über die Geschäftsstelle oder auf der Homepage des ÖVA bestellen und/oder herunterladen. Die Plakate haben im unteren Drittel eine Freifläche, auf der Sie individuelle Texte und Daten eindrucken können. Sie können aber auch selbst ein Motiv für Ihre Interkulturelle Woche gestalten und drucken.

Des Weiteren kann für die Veranstaltungen mit einem Programmheft, Flyern, mit Anzeigen in Ihrer lokalen Presse, über Internetseiten (z. B. der Stadt, lokaler Initiativen) und in den sozialen Medien geworben werden.

Zur Gestaltung Ihrer Werbung stehen Ihnen auf unserer Homepage unter dem Menüpunkt Downloads weitere Materialien wie beispielsweise Webbanner oder Logo zur Verfügung. Sie können dann z. B. die Postkarten zur IKW bedrucken und als Einladung versenden.

Wir veröffentlichen Ihre Programmhinweise oder Flyer gerne in unserer Veranstaltungsdatenbank. Hier können Sie die Datei einfach und schnell selbst hochladen – ohne Registrierung. Bitte schicken Sie uns zur Dokumentation die gedruckten Programme/ Flyer/Plakate auch per Post.

Was sollte ich bei der Gestaltung des Programms beachten?

Eine mehrsprachige Einleitung des Programms spricht deutlich mehr Menschen an.

Eine tabellarische Übersicht der Veranstaltungen gerade in umfangreicheren Programmen erleichtert den Überblick.

Durch lokale Sponsoren etwa für Layout- und Druckkosten lassen sich Kosten senken. Auch können lokale Gewerbebetriebe oder Geldinstitute auf diese Weise ihre Verbundenheit mit der Interkulturellen Woche zum Ausdruck bringen.

Durch einen barrierefreien Zugang zu den Veranstaltungen ermöglichen Sie mehr Menschen die Teilnahme. Hilfreiche Tipps zur Planung von barrierefrei zugänglichen Veranstaltungen finden Sie z.B. hier: https://ramp-up.me

Wie kommt mein Programm in die bundesweite Datenbank?

Das können Sie selbst erledigen, es sind nur ein paar Einträge notwendig und keine Registrierung. Hier geht es zur Anleitung. Bitte schicken Sie zu Dokumentationszwecken immer auch mindestens ein gedrucktes Exemplar (aber höchstens drei Exemplare) an:

Ökumenischer Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen Woche
Postfach 160646
60069 Frankfurt/M.

 

Wie können wir uns inhaltlich auf die Interkulturelle Woche vorbereiten? Wie finden wir Themen für Veranstaltungen?

Einmal jährlich findet die bundesweite Vorbereitungstagung zur IKW statt. Den jeweiligen Ort und Termin erfahren Sie über die Homepage www.interkulturellewoche.de. Im Rahmen der Tagung können Sie sich sich mit anderen Organisierenden austauschen und sich vertiefend mit für die IKW wichtigen Themen auseinandersetzen.
Anregungen für Gottesdienste finden Sie im Materialheft, im Newsletter und auf der Homepage zur Interkulturellen Woche.
Autor*innen, die für Lesungen und Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Woche zur Verfügung stehen, finden Sie unter Lesungen, Bücher. 
Aktuelle politische Themen etwa für Podiumsdiskussionen können Sie dem Materialheft zur Interkulturellen Woche oder auch dem Heft zum Tag des Flüchtlings entnehmen – beide sind im Materialumschlag enthalten, der über die Geschäftsstelle des ÖVA oder unsere Homepage bestellt werden kann. Sie können auch im Internet recherchieren. Hierzu empfohlen Seiten sind z. B. 

www.caritas.de
www.diakonie.de
www.dgb.de
www.proasyl.de
www.verband-binationaler.de
www.bagkr.de
www.isdonline.de.
www.deutsch-plus.de
www.neuemedienmacher.de

Ansprechbar für Diskussionsveranstaltungen sind etwa Politikerinnen und Politiker, Vertreter*innen von Migrantenselbstorganisationen oder Persönlichkeiten in Ihrer Stadt, die für den interkulturellen und interreligiösen Dialog von Bedeutung sind.
Mit Menschen zu sprechen ist besser, als über sie zu reden: Binden Sie diejenigen ein, um die es thematisch geht – Geflüchtete, Menschen mit Migrationshinter- oder vordergrund, Betroffene von Rassismus oder Ausgrenzung.  
Denken verändert sich, wenn Menschen etwas zusammen tun. Aktionsorientierte Veranstaltungen empfehlen sich immer da, wo es Sprachbarrieren gibt. Beim gemeinsamen Kochen von Gerichten aus verschiedenen Ländern (auch aus Deutschland!) kann es sprachunabhängig zu guten gemeinsamen Erlebnissen kommen. Auch können hier Aktionen wie Kinderfeste ein zwangloses Zusammenkommen und ein Kennenlernen ermöglichen. Ebenfalls gut geeignet sind Musikveranstaltungen im öffentlichen Raum oder Bilderbuchkino mit mehrsprachigem Vorlesen für Familien – zum Beispiel beim Sommerfest des Kindergartens, in der Stadt- oder Schulbibliothek oder auf dem Straßenfest.

Wie können wir unsere Veranstaltungen vor Unterwanderung oder Übergriffen durch Rechtsextreme schützen?

Leider gibt es mittlerweile auch im Rahmen der Interkulturellen Woche Erfahrungen mit Rechtsextremen, die Veranstaltungen stören. Wir empfehlen zur Vorbereitung auf ein solches Szenario die Lektüre der Broschüre Mit Nazis streiten? Zum Umgang mit öffentlichen Auftritten von Rechtsextremisten, die vom Verein Miteinander veröffentlicht wurde. Sie erhalten dort konkrete Hilfestellung zur Vorbereitung und zum Schutz Ihrer Veranstaltungen.

Werden Fotos von Interkulturellen Wochen auf der Homepage veröffentlicht?

Ja, wir möchten gerne mit Fotos die Vielfalt der Interkulturellen Woche vor Ort darstellen. Sie können uns hierzu für die Homepage geeignete, qualitativ gute und aussagekräftige Fotos schicken. Ein Honorar können wir hierfür nicht zahlen. Die abgebildeten Personen – sofern sie eindeutig zu erkennen sind – müssen der Veröffentlichung zugestimmt haben (bei Minderjährigen müssen die Erziehungsberechtigten zustimmen), die Rechte für die Fotos müssen bei Ihnen liegen. Bitte teilen Sie uns auch mit, wen wir als Fotografin/Fotografen nennen können. Wir sind zu dieser Angabe verpflichtet.

Alles schön und gut – aber einige Fragen hätte ich da noch!

Rufen Sie uns an oder schicken Sie uns eine E-Mail. Gerne beraten wir Sie individuell. Auch sind wir an Ihren persönlichen Erfahrungen und Tipps zur Organisation der Interkulturellen Woche interessiert.

Kontakt:
Geschäftsstelle des Ökumenischer Vorbereitungsausschuss zur Interkulturellen Woche (ÖVA)

Postfach 16 06 46
60069 Frankfurt am Main
Ruf: 069 / 24 23 14 - 60
Fax: 069 / 24 23 14 – 71
info@interkulturellewoche.de
www.interkulturellewoche.de