Ankommen und bleiben

2021

Ronja von Wurmb-Seibel und Niklas Schenck lebten 2014 für ein Jahr in Kabul. In ihrem Film "Wir sind jetzt hier" erzählen sieben junge Männer vom Ankommen in Deutschland. © Brot & Zwiebel Productions

Im Film "Wir sind jetzt hier" erzählen sieben junge Männer vom Ankommen in Deutschland – von lustigen und beglückenden Momenten und von Momenten tiefster Verzweiflung, von ihren Ängsten und wie sie mit ihnen umgegangen sind. Im Interview mit der Interkulturellen Woche spricht Co-Regisseur Niklas Schenck über die Idee zum Film, über Vorurteile und Klischees und darüber, wie er und seine Frau plötzlich Pflegeeltern eines jungen Geflüchteten wurden.

Gastarbeiterinnen aus der Türkei kommen im Oktober 1965 am Münchner Hauptbahnhof an.

Viele Dinge, die Kinder von Gastarbeitern oder ihre (Groß-) Eltern erlebt haben, sind außerhalb ihrer Communitys nicht bekannt. Sie kommen weder im öffentlichen Raum noch in Schulen, Museen oder Bibliotheken vor. Dabei ist die Perspektive dieser Menschen ein wichtiger Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur, der bisher kaum ausreichend Raum im deutschen Narrativ einnimmt.

Der deutsche Pass bringt viele Vorteile. Dennoch ist die Zahl der Einbürgerungen niedrig. Foto: Kaesler Media - stock.adobe.com

#offengeht erfordert, ganz zu Ende gedacht, dass ein Einwanderungsland den Dazugekommenen irgendwann auch seine Staatsangehörigkeit verleiht. Doch Deutschland bürgert seltener ein als vergleichbare Länder. Wieso ist das so, und was bringt der deutsche Pass überhaupt für Vorteile? Dazu nimmt Dr. Niklas Harder vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) Stellung.

Bei der Caritas können sich zugewanderte und geflüchtete Menschen auch online anonym und kostenfrei beraten lassen. Screenshot: Caritas

Seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 können sich nach Deutschland zugewanderte und geflüchtete Menschen bei der Caritas auch online anonym, datensicher, kompetent und kostenfrei beraten lassen. Seither sind im Bereich Migration bundesweit 509 Caritas-Berater_innen in 155 Beratungsstellen digital im Einsatz (Stand: Ende Januar 2021).

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf das Leben fast aller Menschen. Besonders betroffen sind Geflüchtete, auch in Deutschland. Foto: Bayr. Flüchtlingsrat

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf das Leben fast aller Menschen. Besonders betroffen sind Geflüchtete, auch in Deutschland. Denn Corona macht die schon vorher herrschenden Missstände in den Bereichen Unterbringung, Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt besonders deutlich. Auch die ehrenamtliche Arbeit in diesen Feldern muss in Zeiten der Pandemie neu gedacht werden.

2020

Es braucht Mut, sich Mitte 30 nochmal für eine ganz neue berufliche Richtung zu entscheiden. Erneut die Schulbank zu drücken, um sich in einer so anspruchsvollen Tätigkeit wie der Pflege alter Menschen ausbilden zu lassen. Zumal, wenn man dies in einem Land tut, in das man erst vor einigen Jahren geflohen ist, dessen Sprache man eben erst lernt und in dem man noch mit vielen anderen alltäglichen Herausforderungen der Integration konfrontiert ist.

Das International Welcome Center in Heidelberg.

Die städtische Ausländerbehörde unter einem Dach mit dem Interkulturellen Zentrum – was auf den ersten Blick fast unmöglich erscheint, ist in Heidelberg seit über drei Jahren Realität. Dort eröffnete im Dezember 2016 in Gebäuden einer rehemaligen Tabakfabrik das "International Welcome Center" (IWC). Damit wurde eine deutschlandweit einmalige Institution geschaffen.